Als einer der größten Hersteller von
Grafikchips (GPU) will
Nvidia verstärkt auf Prozessoren setzen, die aufgrund ihrer Leistungsfähigkeit die Aufgaben eines Hauptprozessors (CPU) übernehmen können. Damit würden die Chips von Produzenten wie
Intel an Bedeutung verlieren.
CPU und GPU ergänzen sich
Der Präsident des amerikanischen Grafikchip-Entwicklers Jen-Hsun Huang sieht die Vorteile der GPU im Parallel-Processing. Dank hunderter Prozessoren, die ein Problem in kleine Stücke herunterbrechen und zur gleichen Zeit bearbeiten, kann die Bearbeitungszeit stark verkürzt werden. "Wir verdoppeln die Performance jedes Jahr", sagt Huang im Interview mit der "Welt". Außerdem werde mit CUDA gerade eine Programmierschnittstelle eingeführt, die es ermöglicht, dass Bildbearbeitung, Videoumformatierung, Mail-Verschlüsselung, Audio- oder Virensoftware auf dem Grafikprozessor läuft.
Allerdings werde die GPU den Hauptprozessor nicht ersetzten, sondern ergänzen und in Zukunft eine Beschleunigung von Anwendungen um ein Vielfaches ermöglichen. Als Beispiel führt der Nvidia-Chef eine Videosoftware an, die einen Film statt in zehn Stunden in 30 Minuten für den
iPod komprimieren könnte. Außerdem sei die Stärke der GPU, dass mit ihr die Physik des Lebens nachgebildet werde könne, wie Rauch, Feuer oder Haare im Wind. Fotorealistische Darstellung sei in den nächsten zehn Jahren erreichbar, so Huang weiter. Ebenso werde es möglich sein, auf einem Display ohne spezielle Brille dreidimensional zu sehen.
Mit Tegra in die Zukunft
Nach Meinung von Huang werden voraussichtlich in zehn Jahren hauptsächlich mobile Geräte für jegliches Arbeiten mit dem Computer und den Zugang zum Internet eingesetzt. Deshalb habe man auch Tegra entwickelt, den "weltkleinsten Computer für hochauflösendes Video". Huang beschreibt die neue GPU als kompletten Computer auf einem Chip, der kleiner als ein amerikanisches Zehn-Cent-Stück sei und weniger als ein Tausendstel der Energie eines PC verbrauche.
Tegra sei für Smartphones, portable Multimedia-Player und mobile Internet-Geräte entwickelt worden. Damit könne im Internet gesurft, Videos angesehen oder Spiele gespielt werden. Das Gerät soll im nächsten Jahr auf den Markt kommen und mit rund 200 Dollar soviel wie ein kleines Mobiltelefon kosten. "Ein Multimedia-Computer für die Jackentasche", schwärmt Huang. "Das ist die Zukunft des Computing."