Bitte mal aufrücken: Einer Studie der Analysten von Nemertes Research zufolge wird es bald eng im Internet. Und das, wo erst kürzlich eine Befragung ergab, dass die Deutschen
eher aufs Auto als aufs Internet verzichten würden. Spätestens 2012 könne die Bandbreitennachfrage der Nutzer nicht mehr gedeckt werden. Die USA stoßen bereits jetzt an ihre Grenzen.
Engpass bei IP-Adressen
Auch IP-Adressen werden knapp: 85 Prozent der Internet-Adressen seien bereits vergeben, so der Tenor. Und eine Migration von IPv4 auf IPv6 sei nunmehr "zu wenig zu spät".
Droht der schönen neuen Netzwelt der Bandbreiteninfarkt? So weit wollen die Analysten nicht gehen. Es sei jedoch damit zu rechnen, dass bandbreitenintensive Dienste wie Videostreaming und Peer-to-peer Anwendungen bald nicht mehr zügig und störungsfrei funktionieren. Auch der Feldafinger Kreis sieht in seiner
Zukunftsstudie Handlungsbedarf.
Schuld sei die steigende Nachfrage, beispielsweise durch Videokonferenzen, die Dienstreisen ablösen und immer mehr Privatnutzer, die sich für Online-Dienste begeistern. Die technische Entwicklung hinkt hinterher – es droht ein Engpass. Und der öffnet Tür und Tor für ein altbekanntes Regulativ: das Geld. Internet für alle, wie wir es heute kennen, gehört vielleicht bald der Vergangenheit an. Denn einen qualitativ hochwertigen Netzzugang erhält dann nur noch der, der ihn bezahlen kann.
Höchste Zeit für IPv6
Ein weiteres Problem: Die Internetadressen werden knapp. Hier habe man die Entwicklung schlichtweg verschlafen, so die Analysten. Während Asien bereits längst auf das leistungsfähigere Internet Protocol IPv6 zur Regelung des Datenverkehrs im Netz setzt, habe man sich in Europa und den USA auf den IPv4-Lorbeeren ausgeruht. Die steigende Zahl an Internet-fähiger Technik und Maschine-zu-Maschine-Kommunikation (M2M-Communication) habe die Situation noch verschärft. Nun sei es höchste Zeit für die Migration, so das Analysten-Orakel.
Einen Lichtblick bietet ausgerechnet die Wirtschaftskrise. Im Jahre 2007 hatte Nemertes den Engpass schon für das Jahr 2010 vorhergesehen. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage seien jedoch weniger neue kommerzielle Online-Dienste zu erwarten. Das verschaffe der Netzwelt ein weiteres Jahr Luft.
Wenn die technischen Standards nicht bald aufgerüstet werden, befürchten die Forscher, dass das Internet in ein Netz aus unterschiedlichen Unternetzen zerbricht. Bereits 2007 hat Nemertes den weltweiten Investionsbedarf zum Gegensteuern auf 137 Milliarden US-Dollar (etwa 106 Milliarden Euro) veranschlagt. Zwischen 42 und 55 Milliarden US-Dollar würden allein in den USA fällig, um die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zu schließen.