Freitag, 21.11.2008 12:23

Obama wird der erste "vernetzte Präsident"

aus dem Bereich Sonstiges
Der beste Weg sei, die Massen am Gesetzgebungsprozess zu beteiligen, glauben Experten. Die Zukunft sieht laut "Slate" so aus, dass Obama im Internet seine Steuer- oder Gesundheitspläne sozusagen zur Abstimmung stellt und ein Meinungsbild einholt. So bleibe er mit den virtuellen Massen in Verbindung, sagt Experte Trippi.

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Online-Abstimmungen für´s Volk

Noch ist das Konzept nicht spruchreif, aber: 95 Mitarbeiter pflegten während des Wahlkampfs Obamas virtuelle Auftritte, und die neue Internet- Präsentation des Weißen Hauses werde "wesentlich ambitionierter", sagen seine Berater. Erste Neuerungen hat Obama bereits durchgesetzt: Die wöchentliche Radioansprache des Präsidenten wird in seiner Amtszeit nicht nur über den Äther zu empfangen sein, sondern auch als Video auf dem Portal "YouTube".

Die Idee eines "vernetzten Weißen Hauses" schwirrt durch die Köpfe vieler Internet-Vordenker: ein Präsident, der im regen Kontakt mit dem Volk steht, deren Meinung hört und im besten Fall sogar in Entscheidungen einfließen lässt. Obama könnte laut Experte Trippi daraus Kapital schlagen: Wenn der Kongress einen Gesetzesvorstoß von ihm ablehne, dann stimme er nicht nur gegen den Präsidenten, sondern auch gegen dessen virtuelle Unterstützer im Netz.

Kritiker warnen vor Missbrauchsgefahr

Allerdings gibt es auch kritische Töne. "Was passiert, wenn konservative Wähler sich zusammentun und die Internet-Instrumente gegen Obama anwenden?", fragt Farhad Manjoo im Magazin "Slate". Das Meinungsbild könnte verzerrt werden, befürchtet er. Und wo ist die Grenze für Online-Beteiligung: Würde Obama etwa auch die Meinung zur Besetzung wichtiger Kabinettsposten oder zu militärischen Aktionen einholen?

Eine Internet-Nagelprobe hat Obama bereits im Sommer bestanden. Da hatte der Demokrat bekanntgegeben, dass er trotz vorheriger Zusagen nicht auf die begrenzte staatliche Wahlkampffinanzierung setzen werde, sondern auf private Spenden. Im Netz baute sich Protest gegen den Wortbruch auf. Obamas Reaktion: Er ließ den Beschwerden freien Lauf und schickte dann eine Erklärung heraus. Der Widerstand ebbte ab.
Jörg Schamberg / dpa
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