Der derzeit grassierende Stellenabbau scheint auch an deutschen Telekommunikationsanbietern nicht spurlos vorbei zu gehen: Wie der Hamburger
DSL- und Mobilfunkanbieter
freenet am Donnerstag mitteilte, stünden betriebsweit derzeit 1.000 Arbeitsplätze auf der Kippe. Hintergrund sei die voranschreitende Integration des
übernommenen Mobilfunk-Providers debitel.
"Zentrale Bereiche" betroffen
Damit wird freenet jede siebte Stelle im Unternehmen streichen, "um sich für die Zukunft optimal aufzustellen", wie es in einer knappen Mitteilung des Konzerns hieß. Die Sparmaßnahmen sollen in erster Linie die "zentralen Bereiche" von freenet und debitel treffen: Künftig wolle man sich vermehrt auf die "kundennahe Bereiche" konzentrieren. Wie bekannt wurde, werden damit bei der debitel-Tochter Talkline in Elmshorn bei Hamburg rund 490 Stellen wegfallen. In Stuttgart stehen 300 Jobs zur Disposition. Der Rest verteilt sich auf andere Standorte. Zudem werden 160 Arbeitsplätze in der Informationstechnik von Elmshorn nach Büdelsdorf verlagert. "Wir wollen uns mit diesen Veränderungen optimal aufstellen, um am Markt angreifen und wachsen zu können", sagte freenet-Chef Eckhard Spoerr am Nachmittag.
Erst vor wenigen Tagen hatte freenet ein
Konzernergebnis von 138,1 Millionen Euro für das dritte Quartal vorgelegt und ist damit der Verlustzone entkommen. Auch beim Umsatz konnten die Büdelsdorfer mit erstmals mehr als einer Milliarden Euro einen eigenen Rekord erzielen. Dennoch stürzte die Aktie des Unternehmens von 12,58 Euro im Juni auf nun 3,75 Euro ab.
Freenet-Chef unter Zugzwang

Mit der debitel-Übernahme stieg freenet mit knapp 20 Millionen Kunden zum drittgrößten Mobilfunk-Provider in Deutschland auf. Freenet-Vorstand Eckhard Spoerr hatte erst im vergangenen Monat den konzerninternen Machtkampf um den
Führungsposten bei der Mobilfunk-Tochter gewonnen und damit den bisherigen debitel-Chef Oliver Steil abgelöst. Seit dem steht Spoerr unter Zugzwang: Die drei Hauptinvestoren, allen voran Permira sowie die
1&1-Mutter United Internet und Drillisch, würden nun
genau hinschauen, wie Spoerr das Geschäft in den Griff bekomme, hieß es Mitte Oktober.
Kriselnde DSL-Sparte
Bei den nun angekündigten Stellenkürzungen dürfte es in Zukunft nicht bleiben. Freenet ist noch immer auf der Suche nach einem Käufer der kriselnden DSL-Sparte: Alleine zwischen Juli und September verlor der Anbieter 50.000 Breitbandkunden. Eine zeitlang war United Internet als potentieller Abnehmer gehandelt worden, bis vor wenigen Tagen öffentlich der
Absprung von dem Projekt bekundet wurde. Im Gegenteil: Die 1&1-Mutter spiele sogar mit dem Gedanken, sich komplett von ihrem freenet-Anteil zu trennen.