Der schnellste Computer der Welt bekommt ernste Konkurrenz: Als zweitem Hersteller ist es der Firma Cray gelungen, die Marke von einer Billiarde Rechenoperationen pro Sekunde zu knacken. Auf der jüngsten Weltrangliste der Supercomputer, platzierte sich Crays "Jaguar" mit 1.059 Billionen Rechenschritten pro Sekunde (Teraflops) nur knapp hinter dem "
Roadrunner" von IBM, der seinen Spitzenplatz mit 1.105 Teraflops knapp verteidigen konnte. Deutschland rutschte auf der in Austin im US-Staat Texas vorgestellten Liste aus den Top Ten auf den elften Platz.
Jugene: Schnellster Computer Europas
"Roadrunner" hatte noch vor einem halben Jahr als erster Computer der Welt die Grenze von einem Petaflops (1.000 Teraflops) geknackt und den bisherigen Favoriten damit haushoch überrundet. Beide Spitzenreiter sind mehr als doppelt so schnell wie ihre nächsten Verfolger: Der NASA-Rechner "Plejaden" auf Platz drei erreicht mit 487 Teraflops nicht einmal ein halbes Petaflops. Mit 180 Teraflops ist die Anlage "Jugene" am Forschungszentrum Jülich aber weiterhin der schnellste Computer Europas und der zweitschnellste außerhalb der USA. Knapp vor "Jugene" landete das chinesische System "Dawning 500A" mit 180,6 Teraflops.
Neun der zehn leistungsstärksten Rechner der aktuellen Liste stehen in den USA. "Roadrunner" wird von der US-Regierung unter anderem für die Kernwaffenforschung eingesetzt. Die Nummer zwei, "Jaguar", steht in Oak Ridge im US-Bundesstaat Tennessee und rechnet für das US-Energieministerium unter anderem für die Erforschung neuer Energiequellen. Von den Top Ten gehören sieben dem US- Energieministerium.
Jaguar: Mehr als eine Billiarde Rechenoperationen pro Sekunde. Bild: Cray
Energieeffizienter Roadrunner
Mit der rasanten Leistungssteigerung der Supercomputer wachsen auch die Kosten für Kühlsysteme und Energie deutlich an. Die Liste der "Top 500" führt deshalb bereits zum zweiten Mal auch den Strombedarf der Anlagen mit auf. Dabei sei "Roadrunner" nicht nur der schnellste Rechner, sondern gehöre auch zu den energieeffizientesten Anlagen der Liste, hieß es. Herzstück des Rechners sind Cell-Prozessoren von IBM, die zum Beispiel auch in Sonys Spielekonsole Playstation 3 zum Einsatz kommen.
Intel liefert die meisten Prozessoren
Insgesamt werden Prozessoren von IBM unter den Top 500 von zwölf Prozent der Anlagen genutzt. Prozessoren des Herstellers AMD sind in 11,8 Prozent der Rechner verbaut, darunter auch in der aktuellen Nummer zehn aus Shanghai. Den größten Anteil steuert Intel bei – mit einem Anteil von 75,8 Prozent: Insgesamt nutzen 379 der 500 Anlagen Intel-Prozessoren. Unter den Herstellern hat diesmal Hewlett-Packard IBM den Rang abgelaufen. HP stellt mit 209 Anlagen nun 41,8 Prozent der "Top 500", IBM mit 188 Systemen noch 37,6 Prozent. Vor sechs Monaten war das Verhältnis noch in etwa umgekehrt.
Die
Weltrangliste der 500 schnellsten Supercomputer wird zweimal im Jahr zur International Supercomputer Conference (ISC) unter anderem von dem Informatiker Hans-Werner Meuer von der Universität Mannheim veröffentlicht. Sie gilt als wichtiges Barometer in der Computerindustrie. Der Branchentreffpunkt ISC findet immer abwechselnd in den USA und in Deutschland statt.