Von dem fast schon ruinöse Preiskampf auf dem deutschen Telefon- und
DSL-Markt hat offensichtlich auch die Bundesregierung Wind bekommen. Und die in den letzten Monaten stark gefallenen Preise haben für Gesprächsstoff gesorgt. So stark, dass sich der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, mit neuen Vorwürfen konfrontiert sieht. Er soll seine Politik ändern - zulasten der Verbraucher. Das berichtet die "WirtschaftsWoche" in einem Vorabbericht ihrer am Montag erscheinenden Ausgabe.
Mehr Glasfasernetze
Es sei nicht mehr Kurths Aufgabe, die Preiskämpfe zwischen der Telekom und ihren Konkurrenten weiter anzuheizen. Vielmehr solle sich die Bundesnetzagentur künftig verstärkt darum kümmern, dass in neue
Breitband-Netze auf Glasfaserbasis investiert werde. In diesem Bereich hinkt Deutschland nach neuesten Erkenntnissen stark
hinter anderen Ländern hinterher. Ein entsprechender Beschlussentwurf zur Änderung der Regulierungspolitik liege der Behörde bereits vor. Auf seiner Sitzung am 26. Januar soll der Beirat der Agentur über den neuen Weg abstimmen.
Die Kritik seitens der Bundesregierung ist eindeutig. In Deutschland fände heute in erster Linie ein Preiswettbewerb statt. Innovationen und Investitionen würden durch die Regulierung hingegen nur unzureichend gefördert. Wachstumspotenziale würden derzeit nicht ausgeschöpft.
Kampf um Kunden
Zwar liegt die Bundesregierung mit dieser Einschätzung sicherlich nicht falsch, jedoch darf ein wichtiger Faktor nicht vergessen werden. Branchen-Experten gehen davon aus, dass auf dem deutschen Breitband-Markt nur noch bis zum Jahr 2010 mit einem starken Wachstum zu rechnen ist. DSL-Anbieter müssen sich jetzt um neue Kunden bemühen, bevor der Markt verteilt ist. "Wer einmal einen Vertrag bei der Konkurrenz abgeschlossen hat, gilt als verlorener Kunde", urteilte jüngst ein Manager eines großen deutschen Telekommunikationsanbieters gegenüber onlinekosten.de.