Die Zukunft des verlustreichen Chipkonzerns Qimonda mit mehr als 13.000 Beschäftigten hängt an einem seidenen Faden. Wenn kein Investor gefunden werde, drohe dem Unternehmen mit seinen Hauptstandorten München und Dresden möglicherweise in einigen Monaten die Zahlungsunfähigkeit, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa am Dienstag aus Branchenkreisen. In diesem Fall müsse Qimonda einen Insolvenzantrag stellen. "Die Situation ist ernst", sagte ein Unternehmenssprecher in München. Der Chef der Konzernmutter Infineon, Peter Bauer, machte aber Hoffnungen auf eine Lösung.
Billige Speicherchips als Grund
Qimonda hatte in den vergangenen Quartalen wegen des massiven Preisverfalls bei Speicherchips nur Verluste eingefahren und auch seiner Mutter Infineon die Bilanz verhagelt. Infineon, das noch 77,5 Prozent an Qimonda hält, ist daher seit langem auf der Suche nach einem Käufer für die defizitäre Tochter. "Wir glauben, wir haben gute Chancen, die Verhandlungen abzuschließen", sagte Infineon-Chef Bauer am Dienstag am Rande der Messe electronica in München. Über die Anzahl der Interessenten wollte er sich aber nicht äußern. Ende Oktober hatte Bauer von zwei bis vier möglichen Käufern berichtet.
Existenz ist bedroht
Wegen der schwierigen Situation bei Qimonda warnten führende Betriebsräte nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstag) in einem internen Papier vor dem Aus für die Firma. Das Ausmaß der Probleme bedrohe die Existenz des Unternehmens, zitierte die Zeitung aus dem Schreiben. Der Sprecher wies aber darauf hin, dass der Verkauf der Qimonda-Beteiligung an dem taiwanesischen Chiphersteller Inotera 200 Millionen Dollar in die Kasse des Unternehmens gespült habe. In der zweiten Novemberhälfte werde die zweite Zahlung von nochmals 200 Millionen Dollar erwartet.
Zudem habe Qimonda seine Kapazitäten bereits verringert und verhandele derzeit über den angekündigten Stellenabbau. Vor einem Monat hatte Qimonda bekanntgegeben, 3000 Arbeitsplätze streichen zu müssen. Rund die Hälfte davon entfällt auf Deutschland. Allein in Dresden fallen mehr als 900 Stellen weg, weitere rund 600 am Hauptsitz in München.
Infineon will sein Tochterunternehmen nicht um jeden Preis erhalten. "Aus unserem Cash heraus werden wir Qimonda nicht finanzieren", sagte Bauer. Auch eine Bürgschaft schloss er aus. "Wir brauchen dieses Cash selber." Hilfe leiste Infineon auf andere Weise. "Wir kooperieren beim Verkauf sehr gut mit dem Qimonda-Management." Zur Not solle Qimonda als Sachdividende an die Infineon-Aktionäre verschenkt werden.
Hayo Lücke
/ dpa