All dies lässt René Obermann jedoch kalt, im Gegenteil: Er blättert die Seite um und kommt auf sein Lieblingsthema zu sprechen. Nicht erst seit seiner Machtübernahme hat sich der Konzern von seinem ursprünglichen Kerngeschäft immer weiter entfernt. Der einstige
T-Mobile-Chef hat jedoch wesentlich zu dieser Veränderung beigetragen. Denn, was viele nicht wissen: Die Deutsche Telekom ist heute in erster Linie ein Mobilfunkkonzern.
Ein Mobilfunkkonzern
Dass die Finanzkrise das Bonner Hauptquartier weitgehend unberührt ließ, ist zum einen dem strikten Sparkurs (rund 3,5 Milliarden Euro seit 2006) und zum anderen T-Mobile zu verdanken. Sowohl bei
Umsatz und Gewinn steuerte auch in diesem Quartal wieder die Mobilfunktochter den Löwenanteil bei.
Als
außerordentlich erfolgreich zeigte sich dort vor allem das Auslandsgeschäft: 670.000 Neukunden konnte T-Mobile USA im dritten Quartal zur Vertragsunterzeichnung bewegen; Umsatz und Gewinn bringen es dort auf zweistellige Wachstumsraten, so dass nun mit dem Ausbau des großflächigen UMTS-Netzes begonnen werden kann. Binnen eines Jahres kletterte der Umsatz von T-Mobile Niederlande um satte 62 Prozent auf 477 Millionen Euro. Als vielversprechend wird auch der
Einstieg bei dem griechischen Konkurrenten OTE bewertet.
Am Puls der digitalen Zeit

In Sachen Mobilfunk bewegt sich die Deutsche Telekom am Puls der digitalen Zeit. Obermann zeigt Gespür für die Bedürfnisse der mobilen Gesellschaft. Vom neuen
iPhone 3G, für das T-Mobile die exklusiven Vertriebsrechte in Deutschland besitzt, wurden seit Juli 450.000 Stück verkauft. Eine Gelddruckmaschine, wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Handy-Rechnung eines iPhone-Besitzers nach Obermanns Angaben bei etwa 70 Euro liegt. Auch in Amerika schlug T-Mobile zu und brachte kürzlich als erster Anbieter das
Google-Handy G1 mit dem Betriebssystem Android auf dem Markt. Auch hier seien bereits "gute Absatzzahlen" erzielt worden, hieß es am Donnerstag. Das Internet in der Hosentasche gewinnt allerorts immer mehr an Bedeutung. Den UMTS-Dienst web'n'walk erreichen europaweit täglich neue Kunden: 4,7 Millionen sind es bereits, die den Dienst als Option zum Handyvertrag gebucht haben. 13 Millionen nutzen web'n'walk direkt. Obermann spricht vom unumkehrbaren "Trend zur Internetmobilisierung", nicht nur mit neuen Endgeräten sondern auch neuen Plattformen – "Stichwort 3G und 4G", wirft er in den Raum.
Kupferdraht vs. Frequenzen
Die Frage, ob sich die Deutsche Telekom also in einer Krise befindet, kann klar mit "ja" und "nein" beantwortet werden – jeweils abhängig von der Perspektive. Wer das ehemalige Staatsunternehmen nach der Leistung in seinem Kernbereich beurteilt, nämlich das Anbieten von Sprach- und Datendiensten im klassischen Festnetz, dürfte von den heute vorgelegten Zahlen einigermaßen enttäuscht sein. Beurteilt man die Telekom aus Sicht ihres Chefs, dürfte man hingegen tatsächlich zuversichtlich in die Zukunft schauen. Die Entscheidung, bei dem Aufbau neuer Netze vermehrt auf Frequenzen als auf Kupfer oder Glasfaser zu setzen, hat in diesem Quartal jedenfalls noch einmal die Bilanz gerettet.