Nur gut, dass moderne Kommunikation ein konjunkturresistentes Phänomen ist. Egal, ob die Börsenwelt aus den Fugen gerät und der Deutsche Aktienindex steigt oder fällt: Menschen greifen zum Telefonhörer, fragen ihre E-Mails ab, versenden
SMS, bloggen vom Café aus und schießen ihre Schnappschüsse via
UMTS auf ihre Profile im Internet. Diesem ungebrochenen Informations- und Kommunikationsbedürfnis hat es die
Deutsche Telekom zu verdanken, dass sie lediglich mit einem blauen Auge dem globalen Börsencrash entkam:
Weniger Umsatz – dafür aber einen leicht gestiegenen Gewinn, verkündete am Donnerstag ein sichtlich angespannter Konzernchef in Bonn. René Obermann war vor zwei Jahren an die Unternehmensspitze gekommen, um zu sanieren und zu reformieren. Das Konzept scheint nun aufzugehen, doch etwas hat sich verändert.
Schlachtfeld Festnetz
Seit Jahren verliert die Telekom ihre Festnetzkunden. Allein im dritten Quartal waren es 574.000, die entweder zur Konkurrenz abwanderten oder sich den Telefonanschluss dank
Handy-Flatrate direkt sparen. Insgeheim rechnen die Bonner damit, in diesem Jahr schmerzhafte 2,5 bis 3,0 Millionen Vertragskündigungen einstecken zu müssen. Auch das Schmalbandgeschäft schrumpft ungehindert weiter. Überraschend besser sieht es da im
DSL-Bereich aus: 344.000 Neukunden waren es hier, alleine 50.000 konnte die Telekom wieder aus den Fängen des Wettbewerbs befreien. Die Gründe sind für Obermann klar. Mit Demutsblick wies er auf die kürzlich veröffentlichte
Studie der Stiftung Warentest hin, nach der T-Home der mit Abstand beste DSL-Anbieter in Deutschland ist. "Wir haben attraktive Angebote und einen verbesserten Service", so Obermann. Gleichwohl räumt er ein, dass sich die Telekom das auch etwas kosten lässt.
Der IPTV-Flop
Obermann, der Sanierer. Bild: DTAG
Als Wunderwaffe gegen die Kundendiffusion wurde bereits im vergangenen Jahr das Triple Play-Angebot "
Entertain" aus dem Hut gezaubert. Vollmundig wurde damals angekündigt, 2008 insgesamt eine Million Nutzer für die IPTV-Pakete gewinnen zu können. Doch sowohl beim Kunden als auch bei der Unternehmensführung scheint die anfängliche
Euphorie verflogen zu sein. Die Freude darüber, Fernsehen, Telefon und Internet aus einer Leitung beziehen zu können, hält sich heute in klar bezifferbaren Grenzen. Nach den neuesten Zahlen gibt es in Deutschland gerade einmal 333.000 Entertain-Kunden. Bis auf eine halbe Million will der rosa Riese bis zum Jahresende noch aufgeholt haben. Wie er das anstellt? Das Angebot soll für die Weihnachtssaison ein wenig aufgehübscht, der Vertrieb verbessert und – das Wichtigste – der Werbeetat beträchtlich aufgestockt werden.
Rückzug! Rückzug!
Man hat den Eindruck, dass der einstige Ex-Monopolist den Festnetzsektor als lästiges Pflichtprogramm empfindet. An Ideen mangelt es mittlerweile auch im Breitbandbereich. Das ist nicht weiter verwunderlich, wenn man an den immensen Preisdruck des Marktes, die knappen Margen, den intervenierenden Regulierer und die hohen Investitionskosten denkt, die beispielsweise ein
VDSL-Netz für einen sprichwörtlich handverlesenen Kundenkreis erfordert. Aus dem Festnetzgeschäft ist immer weniger herauszuholen – und auch den Spaß an der Sache hat die Telekom mittlerweile an ihre Billigmarke
congstar abgegeben, die mit der lang ersehnten Entbündelung nun vollends Mündigkeit erreicht hat und seitdem mit
spektakulären Aktionen neuen Schwung in den Markt bringt.