Es sind keine guten Zahlen, die die "Financial Times Deutschland" (FTD) enthüllt. Wie die Wirtschaftszeitung am Mittwoch berichtet, fristet das
IPTV-Angebot der
Deutschen Telekom hierzulande ein Schattendasein. Von den ursprünglich eine Million Kunden des Triple-Play-Angebots
Entertain, die bis zum Jahresende eingeplant waren, bleiben nach neuesten Prognosen lediglich 400.000 übrig. Eine aggressive Preis- und Werbeoffensive soll nun doch noch die Wende herbeibringen.
Ungebrochene Festnetzflucht
Einen Tag vor der offiziellen Bekanntgabe der Quartalszahlen will die FTD aus internen Kreisen unangenehme Details erfahren haben. Telekom-Festnetzvorstand Timotheus Höttges hatte erst kürzlich bekräftigt, dass man zumindest an dem neu gesteckten Ziel von 500.000 Nutzern festhalten werde: Ein "ambitioniertes" Vorhaben, wie befragte Telekom-Mitarbeiter selbst urteilen. IPTV galt als der Rettungsanker im kriselnden Festkundengeschäft, in dem die Telekom ungebrochen Million von Kunden jährlich verliert. Wie Höttges der FTD mitteilte, beziffert er den diesjährigen Gewinnrückgang in der Sparte auf rund vier bis fünf Prozent.
Keine Schadenfreude bei der Konkurrenz
Auch bei den Wettbewerbern dürfte beim Schlachtruf "Internet-TV" keine Jubelstimmung aufkommen.
Hansenet zum Beispiel bietet seinen Alice-Kunden seit Ende August eine
kostenlose IPTV-Option mit über hundert Sendern an. Bislang haben allerdings erst 20.000 Nutzer zugeschlagen, teilten die Hamburger mit. Tendenz: stagnierend. Insgesamt hat Hansenet 2,35 Millionen Haushalte unter Vertrag. Der
Vodafone-Tochter
Arcor ließen sich nicht einmal konkrete Zahlen entlocken – "wenige Tausend" IPTV-Nutzer sollen es dort nach FTD-Informationen sein.
Telekom-Mitarbeiter als Lückenfüller
Um das Ruder doch noch herumzureißen, feile die Telekom-Konzernleitung derzeit an einem Rettungsplan. Die alte Strategie, das eigene Personal als willkommenen Lückenfüller in die Statistik einzuspannen, scheint jedenfalls im Realgeschäft keine Vorteile zu bringen: Höttges schätzt, dass allein 4.000 bis 5.000 Telekom-Mitarbeiter derzeit
Entertain zum billigen Vorzugspreis beziehen. Stattdessen wollen die Bonner in der hereinbrechenden Schenksaison in großem Maße und mit hohem finanziellen Aufwand auf die Werbung setzen.
Erst vor wenigen Tagen gab der Ex-Monopolist eine Kostprobe, als der Entschluss bekannt wurde, Kunden künftig den
Festplatten- und Media-Receiver MR 300 kostenlos bei Vertragsabschluß zu überlassen. Die Telekom selbst zahlt im Einkauf rund 150 Euro pro Gerät. Gleichzeitig soll auch das Unterhaltungsangebot aufgestockt werden. Rund 2.500 Radiostationen werden nach den Plänen ab Anfang Dezember in den Streaming-Dienst integriert. Mittelfristig soll
Entertain zudem weiter personalisiert werden: Kunden werden dann die Möglichkeit haben, eigene Multimedia-Inhalte in der Medienzentrale zu speichern und von jedem Internet-fähigen Rechner der Welt darauf zuzugreifen.