Die
DSL-Provider in Deutschland müssen sich warm anziehen. Sie bekommen zunehmend Konkurrenz durch die großen
Kabelnetzbetreiber in Deutschland. Insbesondere die führenden drei Kabelnetzanbieter
Kabel Deutschland,
Unitymedia und
Kabel BW preschen mit rasantem Netzausbau, Aktionspreisen und
doppelter DSL-Geschwindigkeit vor. Die Anbieter haben den Großteil des Marktes unter sich aufgeteilt. Kabel Deutschland (KDG) ist in 13 Bundesländern aktiv, Unitymedia versorgt Nordrhein-Westfalen und Hessen, Kabel BW schließlich hat für Kunden in Baden-Württemberg Digital-TV, Internet und Telefonie im Angebot.
KDG als bundesweiter Anbieter?
Kabel Deutschland startet nun einen neuen Versuch, Wettbewerber zu übernehmen. Vor vier Jahren war Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber mit diesem Ansinnen am
Veto des Bundeskartellamts gescheitert. "Ein bundesweiter Anbieter für das Kabel würde dem Markt und damit dem Verbraucher dienen", sagte KDG-Chef Adrian von Hammerstein dem "Handelsblatt" (Dienstagausgabe). KDG sei sehr daran interessiert, die Netze bundesweit zu kaufen und zu betreiben. Nach Angaben des Managers gibt es aber noch keine konkreten Verhandlungen.
Bundeskartellamt aufgeschlossener zur Übernahme anderer Kabelnetzbetreiber
Die Ausweitung des Geschäftes würde das Werben um neue Kunden einfacher und effizienter machen, sagte Hammerstein. Andererseits würde sich so die technische Infrastruktur besser nutzen lassen. 2004 wollte KDG Kabel Baden-Württemberg sowie Kabelnetzanbieter in Hessen und Nordrhein-Westfalen
übernehmen. Die Wettbewerbshüter befürchteten jedoch eine marktdominierende Stellung. Das hat sich inzwischen offenbar geändert. Eine Sprecherin des Kartellamtes sagte auf Anfrage der Zeitung, dass sich bei einer Marktänderung im digitalen Kabel auch die Betrachtungsweise der Behörde ändern würde. Tatsächlich hat sich der Wettbewerb in den vergangenen vier Jahren grundlegend verändert. Die Deutsche Telekom sowie andere Telekomkonzerne übertragen inzwischen
TV-Signale über ihr Netz und machen damit
Kabeldeutschland im Stammgeschäft Konkurrenz.
Unitymedia bereit zur Bündelung der Kabelnetze
Bereits Ende September hatte sich Unitymedia-Chef Parm Sandhu für den Aufbau eines großen Kabelnetzes in Deutschland
ausgesprochen. "Erst beim Verkauf durch die Deutsche Telekom wurden die Kabelnetze in einzelne Teile zerstückelt. Langfristig ist es wirtschaftlich allerdings sinnvoll, diese Teile wieder zu einem Kabelnetz zusammen zu führen", sagte er gegenüber der "WirtschaftsWoche". Interesse an dem Kauf von weiteren Kabelnetzbetreibern hat allerdings auch der Düsseldorfer DSL-Provider
Versatel. Pläne für einen größeren
Einstieg in das Kabelgeschäft ließ Konzernchef Peer Knauer bereits Ende September nach dem Kauf des Kabelnetzanbieters AKF verlauten.