Freitag, 31.10.2008 17:46

Handy-TV: Die Hoffnung stirbt zuletzt

aus dem Bereich Mobilfunk
Handy-TV nach dem DVB-H-Standard war eine Totgeburt. Ehe es richtig losging, wurde das ganze Projekt des Fernsehen auf dem Handy-Display wieder eingestampft. In dieser Woche will das bisherige Betreiberkonsortium Mobile 3.0 die bundesweite Lizenz an die Landesmedienanstalten zurückgeben.

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Erfolg mit neuem Konzept?

Bei einer Veranstaltung auf den Münchner Medientagen äußerten dennoch Vertreten von Medienunternehmen und Netzbetreibern die Hoffnung, dass das Handy-TV in veränderter Form doch noch ein Erfolg werden könnte. Thomas Langheinrich, der Vorsitzende der Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten, sieht durch die Rückgabe der Lizenz den "Weg frei für einen möglichen Neustart von DVB-H unter veränderten Rahmenbedingungen". Auf die veränderten technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen müsse angemessen reagiert werden.

Innovative Sendeformate fehlen bisher

Als Grund für das Scheitern von Mobile 3.0 gibt Langheinrich unter anderem das Fehlen von innovativen Sendeformaten an. Zudem hätte sich Media Broadcast als Sendernetzbetreiber für DVB-H nicht ausreichend engagiert. Ähnlich sieht es auch Mobile 3.0 Präsident Rudolf Gröger, dem zuletzt ein runder Tisch gefehlt hat. "Wenn jeder nur an sich denkt, kann kein Geschäftsmodell funktionieren", so Gröger. Technologien wie UMTS, DVB-H und DVB-T würden parallel eingesetzt werden. Gröger sieht daher verstärken Redebedarf aller Beteiligten. An eine Zukunft für mobiles TV via Handy glaube Gröger aber weiterhin.

Neue Lizenzvergabe soll zügig durchgeführt werden

Ob es eine solche Zukunft geben wird, soll sich schon bald herausstellen. Langheinrich will eine erneute Lizenzvergabe schnell und unbürokratisch abwickeln. Als Vertreter der Sendergruppe ProSiebenSat.1 wies Marcus Englert, Vorstandsmitglied der ProSiebenSat.1 Media AG, darauf hin, dass sein Unternehmen keinen neutralen Plattformbetreiber benötige. Die Fernsehsender brauchen lediglich einen Netzbetreiber für den Sendernetzbetrieb. Die Mobilfunkanbieter müssten einen Ansprechpartner für die Vermarktung der DVB-Inhalte erhalten. Das bisherige Lizenzmodell, das die Lizenzen nur für den Zeitraum von drei Jahren vergab, sah Englert für Medienunternehmen als "extrem uninteressant" an. Die Lizenzen für DVB-H sollten mindestens für zehn Jahre vergeben werden. Der Vorstandsvorsitzende von Swisscom Broadcast, Jean Paul de Weck, sieht die Mobilfunkanbieter als ideale Kandidaten, um ein ansprechendes Produkt für die Kunden zu formen. "DVB-H ist nur eine Technologie", so de Weck. Er wünschte sich von den Regulierern eine stärkere Zurückhaltung.

Hoffnung: Durchbruch von Handy-TV bis 2015

Kunden müsse ein echter Mehrwert durch mobiles TV sichtbar werden. Henrik Rinnert, Geschäftsführer Media Broadcast AT, sieht einen Mix aus konventionellen TV-Angeboten und interaktiven Angeboten als möglichen Erfolgsweg. Spätestens 2015 sehen alle Beteiligten Handy-TV auf den meisten Mobilgeräten realisiert.
Jörg Schamberg
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