Dem Haus
Motorola stehen schwere Zeiten bevor. Wie der US-amerikanische Gerätehersteller mitteilt, seien radikale Umbauarbeiten in der Handy-Sparte geplant. Künftig will man sich noch stärker auf das neue Google-Betriebsystem
Android konzentrieren. Als Folge könnten "Tausende" von Arbeitsplätzen auf der Strecke bleiben, berichtet das "Wall Street Journal".
Schlankere Produktlinie
Impulsgeber des neuen Wiederbelebungsversuchs ist Sanjay Jha, der frühere Qualcomm-Manager und jetzige Chef der Mobilfunkabteilung bei Motorola. Er kündigte "drakonische Änderungen" in der Produktlinie an, dutzende von Handy-Designs sollen ausrangiert werden, zudem verschlankt Motorola die Infrastruktur der verwendeten Handy-Software. Derzeit sind bei dem Hersteller sechs unterschiedliche Betriebssysteme im Einsatz, künftig sollen es nur noch drei sein: Motorolas eigenes, proprietäres Programm für Mobiltelefone soll dann lediglich bei den Einsteigermodellen Verwendung finden. Google Android wird nach den Plänen serienmäßig auf multimediafähigen Mittelklasse-Handys zum Einsatz kommen, die für ein breites Publikum entwickelt werden. Das lizenzpflichtige
Windows Mobile wird allein den High-End-Geräten aus dem Geschäftssektor vorbehalten bleiben.
Bereits Anfang des Monats hatte Motorola damit begonnen, die Android-Entwicklungsabteilung personell und finanziell
erheblich aufzustocken. Ein schnelles Handeln ist bei der Frage nach Motorolas Schicksal entscheidend. Wie bereits 2007 haben die Amerikaner auch für das diesjährige Weihnachtsgeschäft keinen vielversprechenden Bestseller im Angebot. Nach Expertenprognosen wird das Unternehmen daher zunächst weiter Anteile am Markt verlieren.
Stellenkürzungen und Prämien
In Zuge der Sanierung hat Jha massive Stellenkürzungen in mehreren Abteilungen angekündigt. Seit Anfang des vergangenen Jahres sind bis heute insgesamt 10.000 Stellen weggefallen. Nach Angaben Jhas arbeiten bei Motorola im Vergleich zum Wettbewerb rund zwei bis drei Mal mehr Mitarbeiter an individuellen Projekten. Um sein eigenes Wohlergeben braucht sich Jha hingegen keine Sorgen zu machen: Wie das "Wall Street Journal" berichtet, stehen dem Manager bei einer erfolgreichen Umsetzung der Pläne und dem Wiederaufbau der Handy-Sparte bis 2010 eine Prämie in Höhe von 100 Millionen US-Dollar zu. Sollte er es nicht schaffen, erhält er immerhin noch 30 Millionen Dollar.