In Deutschland sind Schätzungen zufolge noch immer rund 800.000 Haushalte ohne Zugang zum schnellen Internet. Um Regionen, die bislang kein
DSL bekommen, mit Breitband-Zugängen zu versorgen, schlägt der Mobilfunkanbieter
E-Plus den gemeinsamen Aufbau eines drahtlosen Netzes vor.
Kooperation aller Mobilfunker
"Sinnvoll ist nur ein gemeinsames Netz", sagte E-Plus-Chef
Thorsten Dirks gegenüber der "Welt". Sonst gehe für keinen Anbieter der Geschäftsplan auf. Den Grund für diesen Vorschlag bietet die aktuelle Diskussion über die sogenannte "
digitale Dividende". Durch die Umstellung der Rundfunkübertragung von analogen auf digitale Signale werden Frequenzbereiche frei, die sich zur schnellen Datenübertragung eignen. Aufgrund der niedrigeren Frequenzen könnten entsprechende Netze günstiger als bislang aufgebaut werden.
Nach
T-Mobile und
Vodafone fordert nun auch E-Plus die neuen Frequenzen für die Mobilfunkanbieter ein. Dabei werden sie sowohl von der
Bundesnetzagentur als auch von der zuständigen EU-Kommissarin
Viviane Reding unterstützt. Vor 2012 sei aber mit einem solchen Netz kaum zu rechnen, sagt Dirks. Denn die Rundfunkanstalten möchten sich ungern von den Frequenzen trennen und eine mögliche Verteilung liegt in den Händen der Bundesländer und ihren Medienanstalten.
Netzausbau bei E-Plus soll kommen
Beim Ausbau seines eigenen Datennetzes hält sich E-Plus zurück. E-Plus-Chef Dirks weist auf das "Investitionsdilemma" hin, bei dem die hohen Kosten für das Aufrüsten nicht mehr eingenommen werden könnten. "Die meisten Mobilfunknutzer benötigen gar keine schnelle Datenverbindung," ist Dirks immer noch überzeugt.
Mobiles Breitband sei kein Ersatz für
DSL, ein funktionierendes Geschäftsmodell für das mobile Internet habe die gesamte Branche noch nicht gefunden.
Doch vor der zunehmenden Beliebtheit des mobilen Surfens und dem damit verbundenen Geschäft kann auch E-Plus seine Augen nicht verschließen. Zumal der Umsatz mit Sprachtelefonie zurückgehen werde und der Mobilfunkmarkt praktisch nicht mehr wächst. Deshalb werden die Düsseldorfer den größten Teil ihrer Investitionen im "hohen dreistelligen Millionenbereich" in das mobile Datennetz stecken. Im nächsten Jahr will dann auch E-Plus als letzter der hiesigen Mobilfunkanbieter mit der schnellen Funktechnologie
HSDPA in einzelnen Regionen starten.