Anfang Oktober musste
eBay, das weltweit führende Internet-Auktionshaus, seinen Mitarbeiten schlechte Nachrichten verkünden. Das unaufhaltsame Wachstum ist offenbar vorbei, die Konkurrenz durch andere Verkaufsseiten wie Amazon wird spürbar: knapp zehn Prozent der rund 16.000 Stellen weltweit werden gestrichen. Auch in Berlin werden rund 100 der 1.250 deutschen Stellen wegfallen. Insgesamt wird die eBay-Konzernzentrale im kalifornischen San Jose rund
1.000 Mitarbeiter von der Lohnliste streichen.
Verlagerung von Abteilungen
Die eBay-Deutschlandzentrale in Dreilinden bei Berlin wird nach einem Bericht der "Wirtschaftswoche" (WiWo) Kompetenzen abgeben müssen. Die operative Führung des Deutschland-Geschäfts, immerhin der zweitwichtigste Markt für eBay nach den USA, wird künftig nicht mehr von Deutschland aus erfolgen. Die Marketingstrategien für Deutschland kommen demnächst aus Zürich. Die technische Gestaltung aller länderspezifischen eBay-Marktplätze in Europa wird zentral von der eBay-Niederlassung in London übernommen. "Damit wird Ebay Deutschland operativ faktisch zugemacht", so ein Insider gegenüber der WiWo. Berlin wird quasi zu einem größeren Call-Center mit rund 900 Mitarbeitern für den europaweiten eBay-Kundenservice degradiert. Auch die Tochtergesellschaften mobile.de und der Zahlungsservice
Paypal bleiben in Berlin.
Deutscher eBay-Chef muss sich Konzernführung beugen
Deutsche eBay-Zentrale in Dreilinden bei Berlin.
Bild: eBay
Die 100 betroffenen Mitarbeiter aus Deutschland haben ihre Kündigung bereits erhalten, mit rund acht Prozent der anderen Mitarbeiter wird nach Informationen der Tageszeitung "Die Welt" über einen Umzug nach London oder Zürich verhandelt. Stefan Groß-Selbeck, der deutsche eBay-Chef, konnte sich gegen die mächtige Konzernzentrale in Kaliforniern nicht durchsetzen, Insider munkeln laut WiWo bereits von einem baldigen Rückzug Groß-Selbecks aus dem Unternehmen.
Jörg Schamberg