Schade: wieder einmal das Lieblingsprogramm verpasst und vergessen die Sendung aufzunehmen. Das Internet hilft seit geraumer Zeit allerdings in solchen Fällen aus. Die öffentlich-rechtlichen Sender
ARD und
ZDF präsentieren online umfangreiche Mediatheken mit zahlreichen Fernsehfilmen, Dokumentationen oder Serien. Diese stehen Internetsurfern als Video-on-Demand weltweit kostenfrei zur Verfügung.
Weltweiter Vertrieb gefährdet
Kurz vor dem Treffen der Ministerpräsidenten am 22. Oktober in Dresden, bei dem der 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag unterzeichnet werden soll, wird Kritik an den Mediatheken laut. Laut einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" stelle der uneingeschränkte, weltweite Zugang zu den Angeboten der Mediatheken die deutschen Fernsehproduzenten vor ein Problem. Oliver Berben, Geschäftsführer von Moovie Entertainment und Vorstandsmitglied der Allianz deutscher Produzenten, sieht etwa die Verwertbarkeit großer Produktionen im Ausland durch die Bereitstellung im Netz gefährdet. "Dann bricht eine ganze Finanzierungsseite weg, nämlich der Weltvertrieb. Welcher ausländische Partner zahlt mir denn noch Geld für ein Produkt, das per Streaming oder Download überall abrufbar ist?", so Berben.
Zugriff auf Inhalte nur von Deutschland aus
Die öffentlich-rechtlichen Sender sollten nach Ansicht der Produzenten zumindest technische Vorkehrungen treffen, dass die Inhalte der Mediatheken nur in Deutschland abrufbar sind. Ähnliches ist etwa auch in den USA üblich, wo gestreamte Inhalte der großen Fernsehsender nur für US-Bürger zugänglich sind. Eine andere Möglichkeit wären kostenpflichtige Video-on-Demand-Angebote. Dies könnte sich etwa die UFA, die größte deutsche Produktionsgesellschaft gut vorstellen. Für UFA-Geschäftsführer Wolf Bauer sei es entscheidend, "dass im Video-on-Demand-Bereich ein kommerzieller Markt entsteht. Als Produzenten sind wir von funktionierenden Vertriebswegen abhängig". Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hatte bereits im August Informationen gestreut, dass er eine umfangreiche, jedoch
kostenpflichtige Mediathek plane.
Die deutschen Produzenten äußern zwar Verständnis, dass die öffentlich-rechtlichen Sender versuchen über ihre Internetangebote auch jüngere Zuschauer zu erreichen. Doch wenn ein Film oder eine Serie länger als die aktuell üblichen sieben Tage online zur Verfügung steht, würde dies zu drastischen Einbrüchen beim DVD-Verkauf führen. Dadurch würden den Produzenten Finanzierungslücken entstehen. "Jeder möchte große, aufwändige Produktionen haben, aber wenn man die Finanzierungskette unterbricht, wird es sie nicht mehr geben", so Berben.