Innovationsjagd, Anbieterschwemme und ein ruinöser Wettbewerb: Experten erwarten, dass der deutsche Breitbandmarkt unausweichlich auf seine Konsolidierung zusteuert. Dabei wurde in der Vergangenheit vor allem die Telecom Italia-Tochter
HanseNet als heißer Kandidat für eine Übernahme gehandelt. Doch der Deutschland-Chef winkt beharrlich ab: Man stehe auch künftig nicht zum Verkauf.
Frisches Geld wäre nötig
"Unser italienischer Mutterkonzern hat sich klar dagegen ausgesprochen. Und HanseNet bleibt in Hamburg", bekräftigte der Geschäftsführer Carlos Lambarri in einem Interview mit dem "Hamburger Abendblatt". "Ich habe mit Sicherheit nicht vor, HanseNet und Hamburg so schnell wieder zu verlassen. Ich bin nicht hier her gekommen, um das Unternehmen zu verkaufen. Ganz im Gegenteil. Wir haben Pläne und Ziele für das Unternehmen und die wollen wir hier zusammen erreichen."
HanseNet soll Nummer zwei werden
Erst Ende September musste Lambarri
heftigen Spekulationen über eine Veräußerung seines Unternehmens entgegentreten. Der Grund: Die Geschäfte der Telecom Italia haben bessere Zeiten gesehen und frisches Geld wäre bitter nötig, um den Schuldenberg abzutragen. Doch wie es scheint, verfolgt die Hansenet-Mutter in Mailand langfristigere Pläne: "Telecom Italia hat erst vor Kurzem die Strategie ausgegeben, dass neben dem Heimatmarkt das Auslandsgeschäft der zweite wichtige Pfeiler des Unternehmens ist. Und neben Brasilien ist Deutschland im Ausland der wichtigste Markt", so Lambarri. Oberste Priorität sei nun ein organisches Wachstum. "Wir wollen auf dem deutschen
DSL-Markt die Nummer zwei hinter der
Deutschen Telekom werden." Derzeit ist HanseNet mit knapp 2,4 Millionen Kunden der viertgrößte DSL-Anbieter.
Service als Wunderwaffe
Carlos Lambarri will weiter in
Hamburg bleiben. Bild: HanseNet
Auch auf die Frage, wie dieses Ziel erreicht werden soll, hat Lambarri eine Antwort: Service. In der Vergangenheit habe es in Sachen Kundenfreundlichkeit immer wieder einige Probleme gegeben, räumte der HanseNet-Chef ein. Verantwortlich dafür sei unter anderem die Einführung von
Triple-Play für eine große Kundenmenge. "Wenn man solch ein neues System erweitert, ist das zu Beginn immer mit kleineren oder größeren Schwierigkeiten verbunden, bis alles reibungslos läuft. Doch wir haben hart an diesen Problemen gearbeitet und ich denke, wir haben sie mittlerweile im Griff."
Damit wies er gleichzeitig Gerüchte zurück, denen zufolge der Etat für den Bereich Service gekürzt wurde. Diese stimmten "ganz und gar nicht", so Lambarri. Das Gegenteil sei vielmehr der Fall. "So konnten wir beispielsweise im September die Wartezeit in unseren Callcentern auf 43 Sekunden verringern und liegen damit bei Vergleichstest unter den Anbietern immer auf den ersten drei Plätzen." Ziel von HanseNet sei eine durchschnittliche Wartezeit von 30 Sekunden für Anrufer der Hotline.