Das dürfte neuen Wind auf die Protestmühlen der Kinowelt geben: Das Hollywood-Studio Warner Brothers plant, künftig Filme zuerst online und danach erst auf DVD anzubieten. Zwar soll das Vermarktungprojekt zunächst in Südkorea starten, könnte aber bei Erfolg auch in anderen Ländern und somit auch in Europa umgesetzt werden.
Kinowelt dürfte protestieren
Üblicher Weise werden die Filme erst im Kino gezeigt, dann auf DVD, später im Fernsehen und schließlich als Internet-Download. Medienberichten zufolge ist mit heftigem Protest seitens der Kinobetreiber bezüglich der neuen Strategie zu rechnen. Sie sehen sich ohnehin schon benachteiligt, weil die DVDs ihrer Meinung nach zu früh in den Handel kommen und ihnen dadurch die Butter vom Brot genommen wird.
Warner will Piraten das Wasser abgraben
Warner hält jedoch unbeirrt an der Strategie fest. Grund sind die illegalen Film-Kopien, die besonders in Südkorea den Gewinn schmerzlich schmälern. Durch die bezahlten legalen Downloads will Warner den illegalen Portalen das Wasser abgraben.
Der Chef der Warner-Abteilung für Heimunterhaltung, Kevin Tsujihara, sieht laut "Financial Times" Südkorea als ideale Plattform für die neue Vermarktungsstrategie. Zum einen gibt es dort ideale technische Bedingungen: Mehr als die Hälfte der Einwohner Südkoreas verfügt über einen Breitbandanschluss.
Zum anderen floriert die Piraterie dort offenbar besonders gut: P2P-Netzwerke und selbstgebrannte DVD-Kopien gedeihen wie Gänseblümchen auf der Sommerwiese.
"Die Piraterie hat uns hart getroffen", räumt denn auch Tsujihara ein und hofft auf einen effektiven Schachzug, um möglichst wenig vom Umsatz- Kuchen abgeben zu müssen.
In der Kinowelt ist mit einem Aufschrei der Empörung zu rechnen, wenn das Beispiel international Schule macht. Kinobetreiber, Filmverleiher und Fernsehsender haben sich in der Vergangenheit bemüht, das traditionelle Vermarktungsmodell zu stützen und die Phase der DVD-Vermarktung hinauszuzögern, um mehr Menschen ins Kino zu locken.
Neues Messerwetzen?
Dabei sind sie nicht zimperlich, wenn sie ihre Rechte wanken sehen. So drohten mehrere große Kinoketten im Januar 2007 nach einem Bericht des "Spiegel", drei Filme des US-Verleihers 20th Century Fox nicht auszustrahlen. Begründung: Sie sollten schon nach drei statt der sonst üblichen sechs Monate als DVD in die Ladenregale wandern. Die neuen Vermarktungs-Tendenzen von Warner Bros. dürften nicht dazu beitragen, die aufgewühlten Gemüter zu beruhigen.