100 Millionen Mitglieder! Facebook
gehört die Welt. Die ganze Welt? Nein, nur ein unbeugsames Land im Herzen Europas verwehrt dem sonst so erfolgreichen Community-Riesen die Marktetablierung. Denn in Deutschland heißt der unbesiegte Platzhirsch StudiVZ. Gemeinsam mit den beiden Partnerportalen SchuelerVZ und MeinVZ bringt es das Netzangebot der Holtzbrinck-Verlagsgruppe auf rund
elf Millionen Mitglieder. Gerade einmal 800.000 registrierte Nutzer sind es hierzulande bei dem Überseekonkurrenten. Doch das soll sich schon bald ändern, verspricht Facebook-Chef Mark Zuckerberg.
"Kennst du schon?"
Gemeinsam mit der Züricher Promotion-Agentur Smaboo hat Facebook ein neues Werbeprogramm aus dem Boden gestampft. Dazu werden in München und Berlin insgesamt 200 sogenannte "Markenbotschafter" gesucht, die in bester "Kennst du schon?"-Manier neue Nutzer für Facebook begeistern sollen. Diese Form des kumpelhaften Marketings lässt sich das soziale Netzwerk auch einiges kosten: Den jungen Facebook-Diplomaten winken wöchentlich Sachpreise wie
iPhones und
Nintendo Wii-Konsolen, dazu wird ein feierlastiges Rahmenprogramm geboten: Sowohl in München als auch Berlin werden "Kickoff-Events mit Special Guests" veranstaltet. In der Stadt, in der am Ende der Kampagne die meisten Nutzer rekrutiert wurden, findet zudem eine große Party mit VIP-Lounge statt. Darüber hinaus sollen ausgewählte Botschafter die Gelegenheit erhalten, im Anschluss an die Aktion ein Praktikum im Facebook-Hauptquartier in Palo Alto, Kalifornien, zu absolvieren.
Los geht es am 15. Oktober. Bis dahin werden "echte Facebook-Freunde" gebeten, ihre
Bewerbungen via Online-Formular einzureichen.
Aufholjagd wird schmutziger
Mit der Aktion beschleunigt sich der Kampf um Marktanteile einmal mehr. Erst im Frühjahr war Facebook mit seinem deutschen Ableger gestartet, als der erwartete Erfolg ausblieb, erhob kurze Zeit später die Konzernmutter vor einem kalifornischen Gericht
Klage gegen StudiVZ. Der Vorwurf: Das Holtzbrinck-Projekt soll das 'Look and Feel' der Facebook-Plattform dreist gestohlen haben. Auch eine Schadenersatzforderung stand dabei als Drohung im Raum. StudiVZ schlug
umgehend zurück und warf seinerseits den Amerikanern vor, "ein weltweites Monopol bei sozialen Netzwerken" anzustreben.
Im Vergleich zu den drei VZ-Portalen droht Facebook.de zu verschwinden. Grafik: Google Trends
Umso kurioser wirkt nun der neue Facebook-Vorstoß in Sachen Mitgliederwerbung. Genau genommen kam die Vorlage für das Konzept nämlich von StudiVZ: Im Jahr 2006 hatte die Betreiber rund 400 "Campus-Captains" an deutsche Hochschulen geschickt, um durch organisierte Mundpropaganda junge Akademiker auf die Plattform zu locken. Mit Erfolg, wie die heutigen Mitgliederzahlen zeigen.