Der
Telekom-Skandal um bespitzelte Journalisten zieht weitere Kreise. Die Telekom hat auch Telefonverbindungsdaten des Chefs des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Michael Sommer, durchleuchten lassen. Der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens,
René Obermann, habe ihn über entsprechende Erkenntnisse der Bonner Staatsanwaltschaft informiert, sagte Sommer der "Financial Times Deutschland" (Mittwoch). "Er wirkte betroffen, aber das würde ich nicht als Entschuldigung werten", sagte der DGB-Chef.
Staatsanwaltschaft ermittelt
Unterdessen teilte die Telekom auf Anfrage mit, mehrere Arbeitnehmervertreter des Kontrollgremiums seien davon unterrichtet worden, dass im Rahmen der Ermittlungen ihre Handynummern aufgetaucht seien. Der Staatsanwaltschaft lägen derzeit aber keine Erkenntnisse vor, dass diese Aufsichtsratsmitglieder Ziele eines gezielten Ausspähungsangriffs gewesen seien.
Telefondaten illegal ausgewertet
Sommer hatte mit zwölf weiteren aktiven und ehemaligen
Arbeitnehmervertretern aus dem Aufsichtsrat des Telekom-Konzerns Ende
Mai Strafanzeige gestellt, um als Prozessbeteiligter Einblick in die
Akten zu bekommen. Zuvor hatte sich bereits der Telekom-Vorstand an
die Staatsanwaltschaft gewandt. Hintergrund dieses Schrittes war, dass in den Jahren 2005 und 2006 Telefonverbindungsdaten beim größten europäischen Telekom-Konzern offenbar in großem Stil illegal erfasst und ausgewertet worden waren, um Verbindungen zwischen Aufsichtsratsmitgliedern und Journalisten zu belegen. Damit sollte die Weitergabe vertraulicher Informationen unterbunden werden. Die Staatsanwaltschaft
ermittelt unter anderem gegen den früheren Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke und den ehemaligen Vorsitzenden des Aufsichtsrates Klaus Zumwinkel.
Sommer fordert Schritte der Staatsanwaltschaft
"Es ist ein Skandal, dass man nicht einmal vor dem DGB und dessen Vorsitzendem halt macht", sagte Sommer der Zeitung. Die Spitzeleien seien eine schwere Belastung für die Mitbestimmung und die Sozialpartnerschaft. "Ich erwarte nun, dass die Staatsanwaltschaft Schritte unternimmt. Und ich erwarte nicht nur, dass die Telekom sich entschuldigt, sondern dass sie glaubhaft macht, dass dies keine Mittel in einem Unternehmen sind."