SMS sollen im europäischen Ausland schon bald deutlich billiger werden. Nach den Preisen für Telefonate im EU-Ausland will die EU-Kommission jetzt auch die Kosten von Kurzmitteilungen drastisch senken. Telekom-Kommissarin Viviane Reding werde am kommenden Dienstag, 23. September, einen entsprechenden Vorschlag machen, hieß es am Freitag in Kommissionskreisen. Die Zustimmung ihrer 26 Kommissars-Kollegen sei sicher. Nach anfänglicher Kritik habe auch Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes ihren Widerstand aufgegeben. Europaparlament und Mitgliedstaaten müssen dem Vorschlag zustimmen.
Zustimmung noch in diesem Jahr?
In Parlamentskreisen hieß es, die Zustimmung sei groß und das
Plenum könnte schon im Dezember zustimmen. Die für Telekommunikation
zuständigen Minister treffen sich Ende November in Brüssel. Stimmen
auch sie zu, könnte das Gesetz schon Anfang Januar in Kraft treten.
Reding hatte bereits im Juli erklärt, nach den Kosten für Handy-Telefonate im europäischen Ausland auch die Absenkung für SMS
per Gesetz zu erzwingen. Reding stört sich an den so genannten
Roaming-Gebühren, die sich Telekom-Anbieter gegenseitig berechnen,
wenn ihre jeweiligen Kunden im EU-Ausland eine SMS schreiben.
Welche Obergrenze die Behörde genau vorschlagen will, war zunächst offen. Die nationalen Regulierungsstellen empfehlen nach Angaben der Gruppe Europäischer Regulierungsstellen (ERG) eine Preisgrenze für Endkunden zwischen elf bis 15 Cent plus Mehrwertsteuer pro SMS. In Brüssel hieß es, der Vorschlag der Kommission dürfte sich
am unteren Ende dieser Bandbreite bewegen. Im vergangenen Sommer bezahlte ein deutscher Tourist nach Kommissionsangaben beispielsweise in Spanien 41 Cent. Im Schnitt kostet eine SMS ohne Mehrwertsteuer den Kunden im EU-Ausland 29 Cent.
Die EU-Kommission argumentiert, sie habe die Anbieter
vergeblich aufgefordert, die Gebühren zu senken. Die EU hatte im vergangenen Jahr erstmals über den
Eurotarif Obergrenzen für Handy-Gebühren bei Auslandsgesprächen eingeführt. Reding zufolge haben daraufhin mehr als 400 Millionen Verbraucher von erheblichen Einsparungen von rund 60 Prozent bei abgehenden und ankommenden Gesprächen auf privaten und geschäftlichen Reisen profitiert.
Und was wird aus den Datentarifen?
Ursprünglich hatte die Kommission auch vor, die Kosten für grenzüberschreitende Datenübertragung in Mobilfunknetzen
zu regulieren. Ob auch dafür am Dienstag ein Vorschlag vorgelegt
werden soll, war zunächst offen.