Freitag, 19.09.2008 08:05

Gericht verbietet Server-Tel teure SMS-Chats

aus dem Bereich Sonstiges
Die Server-Tel Ltd. aus Hannover ist bei den Verbraucherzentralen kein Unbekannter – und auch die Redaktion von onlinekosten.de durfte bereits Bekanntschaft mit ihrem Geschäftsführer Cem Öncan machen, als er vor einigen Monaten mit einem anwaltlichen Schreiben gegen einen Bericht vorzugehen versuchte, der die Praktiken des "Full-Service-Partners für Premium-Telefonnummern und -SMS" genauer unter die Lupe nahm. Damals hatte Server-Tel dutzendweise ahnungslose Mobilfunknutzer in SMS-Chats gelockt, die sich im Nachhinein als teures Vergnügen herausstellten. Jetzt hat die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg vor Gericht einen Sieg gegen den SMS-Abzocker erringen können.

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"Senden Sie KATI"

Der Trick war immer derselbe: Handy-Besitzer bekamen eine mysteriöse Kurzmitteilung mit dem Text "Es wurde Ihnen ein SMS-Telegramm übermittelt, jemand, der Sie dringend erreichen will, um es abzufragen, senden Sie KATI" zugesandt. Dass hinter dem Hinweis praktisch bereits seine Zahlungsaufforderung steckte, war im ersten Moment nicht ersichtlich. Erst wenn innerhalb der SMS weit nach unten gescrollt wurde, erschien der spartanische Hinweis: "70 SMS zu je 0,85 Euro". Wer seiner Neugier nachgab, wurde kurze Zeit später von Server-Tel telefonisch kontaktiert und gebeten, die 59 Euro zu überweisen. "Wir sind der Meinung, dass diese Zusendung von Werbe-SMS ohne Einwilligung der Kunden gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verstößt und damit schlicht rechtswidrig ist", sagte Ulrike Weingand, die Juristin der Verbraucherzentrale, zu der Rechtmäßigkeit der Forderung.

Vor Gericht aufgegeben

Als sich die Beschwerden mehrten, machte die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg auf den Fall öffentlich aufmerksam – und kassierte prompt eine Abmahnung von Server-Tel. Ebenso erging es einem unfreiwilligen Kunden des Unternehmens. Doch die Verbraucherschützer reagierten schnell und reichten ihrerseits Klage vor dem Landgericht Hannover ein. Wie nun bekannt wurde, erlitt das angriffslustige Wesen des Cem Öncan im Angesicht des Richters einen Dämpfer: Im Verhandlungstermin vor dem Landgericht Hannover stellte der Anwalt von Server-Tel überraschenderweise keinen Prozessantrag und ließ damit ein Versäumnisurteil gegen seine Mandantin ergehen. Damit wurde den illegitimen SMS-Chats ist ein Riegel vorgeschoben. Zunächst jedenfalls, betont die Verbraucherzentrale, denn nach der Zivilprozessordnung kann Server-Tel noch Einspruch gegen das Urteil einlegen.
André Vatter
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