Als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte, ging man davon aus, dass das WWW zu einem exklusiven Netzwerk für Universitäten, staatliche Einrichtungen und große Unternehmen werden würde. Rund vier Milliarden IP-Adressen (Internet Protocol), die dazu da sind, um Datenpakete an die richtigen Rechner weiterzuleiten, wurden als ausreichend angesehen: Der Protokollstandard IPv4 war geboren. Doch rund zwanzig Jahre später könnte sich das als Fehlentscheidung herausstellen. Wie der Verband der deutschen Internetwirtschaft eco nun warnt, wird es höchste Zeit, dass die Internet Service Provider auf den Nachfolger IPv6 umstellen. Spätestens in drei Jahren werden sonst die
IP-Adressen knapp.
Versteigerung von Adressen
"Es steht zu befürchten, dass IPv4-Adressen aufgrund des Mangels demnächst versteigert werden. Das ist gleichbedeutend mit der Umstellung auf ein Eigentumsmodell", zeigt sich eco-Geschäftsführer Harald A. Summa besorgt. Zwar würden Provider auf diesem Weg von einer engeren Kundenbindung profitieren: Dabei würde aber übersehen, dass Adressen eine globale Ressource seien und Nutzer, die netztechnisch unabhängig bleiben wollen, früher oder später auf amerikanische oder asiatische Provider ausweichen würden.
2011 werden die IP-Adressen knapp
Gegenüber dem alten Protokoll hat IPv6 den Vorteil, dass der verfügbare Adressraum nahezu unbegrenzt ist: Während IPv4 lediglich 4,3 Milliarden IP-Adressen zur Verfügung stellen kann, stellt IPv6 rund 340 Sextillionen Adressen bereit. "Praktisch jeder Grashalm im Garten könnte künftig eine eigene Internetadresse anmelden", erklärt Summa. Im Gegensatz dazu prognostiziert die Vergabestelle Internet Assigned Numbers Authority (IANA), dass spätestens 2011 die letzten IPv4-Adressen an die Regional Internet Registries verteilt werden können.
Schon in der Vergangenheit hatte der eco immer wieder die Forderung aufgestellt, die Migration auf IPv6 schnellstmöglich voranzutreiben – und er erhält dabei Unterstützung von Gesellschaften wie der Internet Society (ISOC) und dem Plattner Institut in Potsdam. Auch der Förderverein Informationstechnik und Gesellschaft (Fitug) schlägt in dieselbe Kerbe. Ihr Mitbegründer Lutz Donnerhacke teilt die Einschätzung: "Die Versorgung mit IPv6 gehört zu den Basisdienstleistungen eines Internetzugangs, den alle ISPs anzubieten haben. Jeder Versuch, IPv6 als Produkt zu platzieren, muss scheitern."