Die Langzeitstudie von Sicherheitsexperten der PAN AMP AG in Hamburg zum "Internet-Bombenbau" belegt nicht nur, dass die neuesten Anleitungen ein
"militärisches Niveau" erreicht haben. Der intensive Austausch im Internet soll auch eine Besorgnis erregende Gefahr für die Innere Sicherheit darstellen.
"Hobbythek" für Terroristen
Der steile Anstieg auf über 500.000 gefundene Sprengstoff- und Bombenbauanleitungen in Deutschland führte bereits zu zahlreichen Sprengungen durch meist jugendliche Nachbauer. Darüber hinaus, so die Studie weiter, bestehe die Möglichkeit, dass Anleitungen deutscher Hobby-Sprenger für besonders professionell entwickelte Fernzündungen per Internet in Krisengebiete gelangen und dort die Bomben gezündet würden.
Bei den terroristischen Anschlägen von Madrid 2004 kamen
Mobiltelefone, verbunden mit Zünder und Sprengstoff, zum Einsatz. Die Zwei-Varianten-Anleitung zur Sprengung per Handy findet seither eine nahezu tägliche Verwendung bei Anschlägen im Irak und in Afghanistan. Das Video eines jugendlichen Bombenbauers aus Deutschland belege, dass die bislang zu Terroranschlägen verwendete Anleitung nun auch in Deutschland benutzt wird. Auch ein direkter Austausch von Bauanleitungen zwischen Hobby-Bastlern und Terroristen könne nicht mehr ausgeschlossen werden.
Die Sprengsätze in Zügen nach Hamm und Koblenz, die im Juli 2006 im Kölner Hauptbahnhof in Regionalzügen deponiert wurden, entsprechen ebenfalls aufgefundenen Bombenbauauleitungen. Eine Explosion der Kofferbomben hätte viele Menschen in den Tod reißen können: Allein durch einen Flüchtigkeitsfehler während der Umsetzung des Bombenrezepts kam es zu keiner Detonation.
Anzahl und Größe der Sprengungen eskaliert
Laut der Studie eskaliert seit Juli 2006 die Verbreitung der gefährlichsten Anleitung: nämlich jene, die sich dem Bau von Bomben mit mehr als 10 Kilo Sprengstoff widmet. Auslöser dafür waren zwei deutsche Jugendliche, die eine Serie von Explosionen nahe Dortmund durchführten und schließlich mit einem 13-Kilo-Sprengsatz ein ganzes Waldstück verwüsteten. Zum Vergleich führen die Sicherheitsexperten an, dass bei den Terroranschlägen 2005 auf Londoner Nahverkehrswegen Sprengsätze von 2,5 bis 4,8 Kilo gezündet wurden - und diese bereits eine verheerende Wirkung hatten.
Der "Wettbewerb" zwischen den Hobby-Bombern hat mittlerweile zur Sprengung einer 53,5 Kilobombe in einem polnischen Naherholungsgebiet geführt. Der entstandene Krater erinnere an Einschläge von Fliegerbomben im Zweiten Weltkrieg.
"Eine traurige Realität, per Internet werden nicht nur neueste Videos und Programme weltweit ausgetauscht, sondern auch gefährlichste Anleitungen, die sich zur Verübung von Anschlägen eignen", so Bert Weingarten, Vorstand der PAN AMP AG.