Die Musikindustrie schöpft nach Jahren rückläufiger Umsätze wieder Hoffnung: Zahlreiche Konzerne aus der Internet- und Handybranche wollen neue Dienste für den Musik-Download an den Start bringen. Bereits bestehende Angebote etablierter Anbieter sollen ausgebaut werden, Abos und Flatrates den Anteil illegaler Downloads reduzieren
Durchbruch auf Massenmarkt
Seit 1999 rutschen die
Absatzzahlen immer tiefer in den Keller. Der Einbruch bei den CD-Verkäufen konnte lange Zeit nicht mit entsprechenden Umsätzen aus dem Online-Handel ausgeglichen werden. Auch 2007 ging der Tonträgerumsatz in Deutschland wieder um drei Prozent zurück, während der Digitalanteil gerade mal auf sechs Prozent gesteigert werden konnte. Und trotz eines Rückgangs illegaler Downloads, kommen laut Bundesverband Musikindustrie auf eine legal erworbene Musikdatei immer noch fast zehn illegale.
Der Mangel an attraktiven Angeboten auf dem digitalen Musikmarkt scheint nun laut "Financial Times Deutschland" endlich ernsthaft in Angriff genommen zu werden. Die Musikindustrie könne auf einen Durchbruch auf dem Massenmarkt hoffen, da sie auf starke Partner aus anderen Branchen baut, die hinter der aktuellen Offensive stecken. So haben
Nokia,
Sony Ericsson,
Amazon und
MySpace den Start digitaler Musikdienste in Europa angekündigt, die Internetplattform
Facebook soll in Verhandlungen mit
Universal Music stehen, Apple hat gerade eine erweiterte Version seines Shops
iTunes vorgestellt.
Mit Flatrates gegen Tauschbörsen
Die Angebote werden umfangreicher und schließen auch den Download über Mobiltelefone ein. So wird beim Modell "Comes with Music" von Nokia beim Kauf eines Handys für ein Jahr der kostenfreie Zugriff auf das eigene
Musikangebot mitgeliefert. Einen ähnlichen Weg geht Sony Ericsson mit der "PlayNow Arena" bereits in Skandinnavien, während Amazon den klassischen
MP3-Shop anbieten wird. Die schnelleren und größeren Angebote sollen den Musikfan dazu animieren, mehr online einzukaufen.
Das soll konsequenterweise auch die Onlinepiraterie zurückdrängen. Wenn der Nutzer durch günstige Abos oder Flatrates nahezu beliebig viel Musik für einen festen Betrag downloaden kann, soll sein Interesse an kostenlosen also illegalen Downloads nachlassen. Aufgrund der Beliebtheit und großen Verbreitung der
Tauschbörsen ein schweres Unterfangen. Allerdings hat sich das direkte Vorgehen gegen die illegalen Angebote als nicht sonderlich umsatzsteigernd erwiesen.
In den nächsten Wochen werden die Grundlagen für den Aufbruch in neue Musikdownload-Welten gelegt. Und im nächsten Jahr wird sich herausstellen, ob die Musikindustrie die Trendwende endlich geschafft hat. Der Nutzer kann sich schon jetzt freuen: Mehr Angebotsvielfalt hat noch keinem Markt geschadet.