Im Zuge eines Rechtsstreits in den USA hat
Apple den britischen Erfinder Kane Kramer als Erfinder des digitalen
Audioplayers bezeichnet und Kramers Entwürfe eines solchen Gerätes aus dem Jahre 1979 vorgelegt. Wie die britische Daily Mail weiter aus Gerichtsakten zitiert, wurde Apple in dem Verfahren vorgeworfen, mit dem
iPod und
iTunes Patente des Unternehmens Burst.com zu verletzen, weshalb Kramer für eine Zeugenaussage nach Kalifornien eingeflogen wurde.
Patent vor 30 Jahren angemeldet
Im Alter von 23 Jahren hatte Kramer den Prototypen eines digitalen Abspielgerätes für Musik entworfen und 1979 weltweit zum Patent angemeldet. Der als "IXI" bezeichnete Player konnte zwar nur dreieinhalb Minuten Musik auf einem Chip speichern, doch Kramer war fest davon überzeugt, dass die technische Weiterentwicklung nicht lange auf sich warten lassen würde. Seine Entwürfe zeigen ein Gerät in der Größe einer Kreditkarte mit einem rechteckigen Display oben und zentralen Steuerungsknöpfen darunter. Die Ähnlichkeit der fast 30 Jahre alten Skizzen mit den Mediaplayern von heute ist erstaunlich.
Zusammen mit dem "IXI" präsentierte Kramer zudem seine Idee des digitalen Musikvertriebs über ein Netzwerk, um die Kosten für Herstellung und Verkauf von Schallplatten zu reduzieren. Zusammen mit seinen damaligen Ausführungen zum Urheberrecht, zu Raubkopien oder zur Förderung unbekannter Künstler ergibt sich ein visionäres Bild der heutigen Wirklichkeit in der Musikindustrie und beim
Online-Vertrieb.
Kramers Firma "IXI Systems" fehlte 1988 das Geld für die Verlängerung des Patentes in 120 Staaten und die Technik wurde für die allgemeine Nutzung freigegeben. Allein von Apples iPod sind seit 2001 inzwischen 163 Millionen Stück verkauft worden.
Skizze des "IXI" von 1979.
Bild: kanekramer.com
Freude über späte Anerkennung
Der heute 53-jährige freut sich in erster Linie darüber, dass seine damalige Leistung doch noch Anerkennung findet. Und steht zurzeit mit Apple in Verhandlungen über eine Vergütung für die Skizzen, an denen er das Urherrecht besitzt.
Der Rechtsstreit zwischen Apple und Burst.com ist mittlerweile außergerichtlich beigelegt worden und Kramer hat immerhin ein Beratungshonorar für seine Aussage erhalten. Allerdings kann der iPod-Erfinder eine finanzielle Unterstützung dringend gebrauchen, da seine Möbeldesign-Firma vergangenes Jahr pleite ging und er sein Haus verkaufen musste. "Ich kann mir selber nicht mal leisten, einen iPod zu kaufen," sagt Kramer. "Apple hat mir zwar einen überlassen, aber nach acht Monaten war er kaputt."
Am 9. September wurde indes ein weiteres Kapitel in der iPod-Erfolgsgeschichte aufgeschlagen: Auf dem Apple-Presseevent unter dem Motto "Let's rock" trat Mitgründer und Chef Steve Jobs auf die Bühne des Yerba Buena Center in San Francisco und präsentierte gewohnt effektvoll die Neuheiten rund um iPod und Co.