Erst
zehn Jahre alt ist die weltweit führende Internetsuchmaschine Google, doch krakenartig hat sich das Unternehmen in allen Ecken des Internets eingenistet. Neben der Suchmaschine gibt es einen Mailservice, mit Google Earth, Sky und Maps mehrere Routenplaner und Kartendienste, der Browser
Chrome wurde gerade erst vorgestellt, am Handybetriebssystem
Android wird weiter gewerkelt. Nun gibt es ein neues Großprojekt, mit dem Google die Einnahmen des Konzerns vergrößern möchte.
200 Jahre Zeitungsgeschichte
Google plant laut einer Ankündigung im offiziellem
Google Blog nicht weniger als die Erstellung eines riesigen Archivs von Tageszeitungen aus den letzten rund 200 Jahren. In diesem Zeitraum sei zu jedem Thema etwas geschrieben worden, von der großen überregionalen Zeitung bis hin zum kleinen Lokalblatt. Diese Inhalte seien aber nur offline verfügbar, dies wolle Google ändern. Dazu sollen Millionen Zeitungsseiten eingescannt und über die Google-Suche verfügbar gemacht werden. So könnte etwa bei der Suche nach "Amerikaner auf dem Mond" ein eingescannter Artikel der "Pittsburgh Post-Gazette" aus dem Jahr 1969 gefunden werden. In der Ergebnisliste der Google-Suche sollen solche gescannten Fundstücke mit "Google News Archive" markiert werden.
Zeitungen komplett durchsuchbar
Die gescannten Seiten sollen allerdings nicht nur statisch als Scan angezeigt werden, sondern sich auch komplett durchsuchen lassen. Der Nutzer soll durch die alten Zeitungen browsen und sich dabei die Artikel, Fotos und die zugehörige Werbung anschauen können. Google greift dabei auf einige Jahre Erfahrung zurück. Bereits 2006 habe das Unternehmen mit Kooperationspartnern wie der "New York Times" und der "Washington Post" begonnen, bestehende digitale, historische Zeitungsarchive zu indexieren und für Google suchbar zu machen. Artikel aus diesem Bestand sind bereits heute über die
Google News Archive Search auffindbar. Dieses Vorgehen soll nun auf zahlreiche große und kleine Zeitungen ausgedehnt werden. Als Partner gewonnen werden konnte auch die älteste Zeitung Nordamerikas, der seit 244 Jahren erscheinende "Quebec Chronicle-Telegraph". Zukünftig, wenn erheblich mehr Zeitungen eingescannt worden sind, sollen die Inhalte auch direkt in der Ergebnisliste von google.com beziehungsweise auf den lokalisierten Google-Seiten erscheinen.
Zeitungsverleger nur widerwillig Kooperationspartner?
Ein solcher Plan kann jedoch nur aufgehen, wenn die andere Seite, die Zeitungsverleger, mitspielen. Dort gebe es laut einem Bericht des "Handelsblatt" aber noch Vorbehalte. Google wolle zwar neben den historischen Zeitungsartikeln eigene Werbung schalten und die Zeitungsverlage an den Einnahmen beteiligen. Doch nicht alle Zeitungsmacher sind auf die Konkurrenz durch Google gut zu sprechen. Erst im letzten Jahr habe der Verleger Christian DuMont-Schütte sich sehr kritisch zu Google geäußert. "Bei uns bröckeln Auflagen wie Anzeigen, und Google schöpft mit unserer Hilfe den Werbemarkt ab. Das ist pervers" so DuMont-Schütte damals gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Doch ohne Google geht es für die Zeitungen auch nicht. Denn der Großteil der Leser ihrer Internetausgaben, zwischen 40 bis 80 Prozent, finde den Weg zu den Online-Zeitungen über die Google-Suche.