Die Erfolgsstory des Halbleiterstandortes Sachsen hat in den vergangenen Monaten einen Dämpfer bekommen. Die heikle Situation kommt zum Teil durch den weltweiten Preisverfall bei Halbleitern. Dazu herrscht gnadenloser Wettbewerb um Subventionen. Europa und damit auch Sachsen haben es schwer gegenüber Offerten aus Südostasien oder den USA. Arbeitsplätze werden abgebaut, Investitionen in neue Fabriken laufen langsamer. Die Unruhe ist verständlich: Sachsen ist der wichtigste Standort der Halbleiter- und Elektronikbranche in Deutschland. Rund 1500 Firmen geben mehr als 44.000 Menschen Arbeit. Jeder zweite in Europa produzierte Chip könnte den Aufdruck "Made in Saxony" tragen.
Standort Sachsen nicht in Gefahr
Die Branche ist in schwerem Fahrwasser, Optimisten hoffen aber, die Situation zu meistern. Sachsen setzt seit der Wende auf Wachstum durch die Halbleiterindustrie. Hier gibt es eine lange Tradition, die bis zur Erfindung des Dualsystems durch den Leipziger Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) zurückreicht.
"Der Standort Sachsen ist nicht in Gefahr. Trotz großer internationaler Konkurrenz", sagt Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD). Gerade wurde eine der wichtigsten Halbleiter-Messen SEMICON für das kommende Jahr nach Dresden geholt - Verlängerung nicht ausgeschlossen. Mitte des Monats nimmt das Unternehmen
Plastic Logic die nach eigenen Angaben weltweit erste Produktionsstätte für elektronisches Papier - sogenanntes e-Paper - auf.
Die bisherige Entwicklung wurde auch durch Geld von Europäischer Union, Bund und Land gepusht. Beifall für die Förderpolitik des Freistaates, durch die seit den 90er Jahren die drei Branchenriesen
Infineon, Infineon-Tochter Qimonda und US-Hersteller
AMD in den Raum Dresden gelockt wurden, gibt es vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). "Man muss sich auf Bereiche konzentrieren, die in der Zukunft Wachstum bringen", sagt der Wirtschaftswissenschaftler Mirko
Titze. Da sei hier auf das richtige Pferd gesetzt worden.