Die
Filesharing-Szene zeigt sich erfinderisch. Um sich vor den
Piraterie-Fahndern der Musik- und Unterhaltungsindustrie zu schützen, verlagern sich zahlreiche
Daten-Tauschgeschäfte jetzt in die Offline-Welt. Wie die britische Tageszeitung "Times" berichtet, gibt es in Europa einen neuen Trend, der aus den USA über den Atlantik geschwappt ist. Demzufolge werde immer mehr urheberrechtlich geschützte Musik nicht mehr online über das Internet, sondern auf so genannten Hard-Drive-Partys getauscht.
Schneller und sicherer
Die Treffen finden meistens in privaten Räumlichkeiten in einer zwanglosen Atmosphäre statt. Die Partygäste haben an Stelle von kleinen Geschenken neben ihrem Laptop auch ihre mobile Festplatte dabei, um so per USB-Verbindung die digitalen Inhalte wie Filme, Spiele, Anwender-Software und Musik mit anderen Party-Gästen auszutauschen. Der große Vorteil dabei: der direkte Datenaustausch ist nicht nur wesentlich schneller als das Herunterladen im Internet, sondern auch sicherer, da die Fahnder hier so gut wie keinen Möglichkeiten zur Überwachung haben.
Das Problem Urheberrechtsverstoß hat sich nur verlagert
"Bei Hard-Drive-Partys geht es um Pizza, Bier und den Austausch von Inhalten von 500-Gigabyte-Festplatten, die mit Tausenden von Musikstücken befüllt sind", erzählt der britische Musikproduzent Cliff Jones in dem "Times"-Bericht. Sein eigener Nachbar, ein unbescholtener Familienvater, habe ihm erst kürzlich stolz berichtet, dass er an die 80.000 Klassik-Musiktitel auf einer Festplatte gespeichert habe, die er von einem Freund geschenkt bekommen habe. Grob geschätzt entspreche dies einem Gegenwert von rund 75.000 Euro. "Derartige Filesharer-Partys sind für uns schon seit geraumer Zeit keine Neuheit mehr, sondern ein bekanntes Problem", erklärt Daniel Knöll vom Bundesverband der Musikindustrie gegenüber der Nachrichtenagentur pte. Das Kind habe lediglich einen neuen Namen bekommen, das Problem bleibe aber das selbe.
Musikindustrie will weiter hart durchgreifen
Natürlich sei diese Entwicklung ein Riesenproblem für die Musikindustrie. Aber im Grunde genommen gehe es dabei aber nicht um das Problem der Raubkopien, sondern um das der
Speichermedien. Demnach würden sich derzeit weltweit rund 20 Milliarden illegale Kopien von Musiktiteln auf den Festplatten der Nutzer befinden. Ganz machtlos stehe der Branchenverband dieser Entwicklung allerdings nicht entgegen, denn es gebe sicherlich Möglichkeiten, um gegen Hard-Drive-Partys vorzugehen. Zudem sei die gegenwärtige Entwicklung ein deutliches Indiz dafür, dass die bisherige Strategie, im Kampf gegen Online-Piraterie
juristisch härter durchzugreifen, genau richtig sei, so Knöll.