Wer unter Bergen von E-Mail-Müll erstickt, ist selbst schuld. Diese provokante These stammt von dem britischen IT-Wissenschaftler Richard Clayton aus Cambridge, der das Phänomen Spam zu seinem Steckenpferd erklärt hat. In dieser Woche veröffentlichte Clayton seinen Abschlussbericht "
Do Zebras get more Spam than Aardvarks?" ("Bekommen Zebras mehr Spam als Erdferkel?"). Sein Fazit ist verblüffend: Wer den falschen Namen vor dem @-Zeichen wählt, läuft Gefahr in der Spam-Falle zu landen.
"Zacharias" hat Glück
Für eine Untersuchung hat der Wissenschaftler über 500 Millionen Spam-Nachrichten ausgewertet. Dabei fand Clayton heraus, dass E-Mail-Adressen, die mit den Buchstaben "A", "M", "R", "P" und "S" beginnen, im Schnitt zu rund 40 Prozent mit Werbebotschaften beliefert werden. Beginnt die Adresse hingegen mit Buchstaben, die im Alltag seltener auftreten – wie "Q" oder "Z" – sinkt die Befeuerungsquote auf 20 Prozent. Anders ausgedrückt: Während "Zacharias.Schmidt@" von Spam nur gelegentlich belästigt wird, sollte sich "Anja.Drews@" besser einen E-Mail-Anbieter mit gutem Müllfilter aussuchen. Sofern die Erkenntnis stimmt, würde sie eine kleine Revolution im Kampf gegen verschickte Netzreklame bedeuten. Bisher war man davon ausgegangen, dass der Teil
hinter dem @-Zeichen Einfluss auf die Spam-Frequenz hat.
Wie Spammer ihre Opfer finden
Proportionale Ungleichheit: Gültige E-Mail-
Adressen, die nach der Dictionary-Methode
ermittelt wurden. Bild: Clayton
Warum Spammer eine E-Mail-Adresse einer anderen vorziehen, liegt in der Art, wie das Opfer gefunden wird. Clayton erklärt, dass Werbeversender häufig nach der sogenannten Dictionary-Methode vorgehen. Einmal validierte E-Mail-Adressen (zum Beispiel "tom@internetprovider1.com") werden mit anderen Domain-Namen neu kombiniert ("tom@internetprovider2.com") und dann mit Werbung befeuert. Sofern keine negative Antwort des Mail-Servers kommt, weiß der Spammer, dass er eine gültige Adresse gefunden hat. Dennoch gesteht auch Clayton Unregelmäßigkeiten in seiner Theorie ein: So bekämen Nutzer, deren Adresse mit einem "U" beginnt, rund 50 Prozent häufiger Spam-Nachrichten als andere – eine Eigenschaft, die weiterer Untersuchungen bedürfe.