Die Aufregung war groß, zahlreiche Medien
berichteten in großer Aufmachung darüber, dass der Datenschutz in Deutschland wohl ziemlich löchrig sei. Daten von Millionen Bürgern, die teils sensible Informationen wie Kontoverbindungen enthalten, sind offenbar per Internet käuflich zu erwerben.
Datenhandel per Internet
Genau dies hatte der Bundesverband der Verbraucherzentrale zuvor getestet. Im Internet war der Verband auf eine Anzeige gestoßen, in der Daten zum Kauf angeboten wurden. Die Verbraucherschützer beauftragten ein Ermittlerteam, die Rechercheakademie aus Hamburg. Am 17. August kaufte ein Teammitglied des Rechercheteams in Münster für 850 Euro Daten auf zwei CDs und einer DVD. Der Datenhändler, ein 22-jähriger Münsteraner, wollte im September weitere Daten liefern.
Daten von fünf Millionen Bürgern sichergestellt
Das Rechercheteam erstattete am 20. August Anzeige, Polizei und Staatsanwaltschaft in Münster konnten die Personalien des Tatverdächtigen ermitteln und durchsuchten am 20. August dessen Wohnung. Ein Rechner und Datenträger mit den Daten von rund fünf Millionen Bürgern, teils mit Angaben zu Bankkonten, wurden sichergestellt. Der 22-jährige gab an, dass er bei seiner Tätigkeit in verschiedenen Callcentern mitbekommen hatte, wie einfach man mit Datenhandel Geld verdienen könne. Die Daten selber habe er allerdings nicht von den Callcentern erhalten, sondern im Internet per Tausch bezogen.
Mit dem unberechtigten Handel mit Daten hat der Münsteraner gegen Paragraph 44 des Bundesdatenschutzgesetzes verstoßen. Nun droht dem Tatverdächtigen eine Geldstrafe oder eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren.