Nach jahrelangen Ermittlungen gegen Nutzer von Kinderpornografie eines Internetdienstes im Raum Konstanz sind der Polizei 987 Verdächtige aus ganz Deutschland ins Netz gegangen.
Größter weltweiter Schlag
Bei Durchsuchungen seien mehr als 1800 Videos und fast 45.000 Datenträger sichergestellt worden, teilte das Bayerische
Landeskriminalamt (LKA) am Freitag in München mit. Die Verdächtigen
kommen nach Angaben des LKA aus allen Bevölkerungsschichten und
Altersgruppen. Auch in zahlreichen anderen Ländern laufen Ermittlungen gegen hunderte Nutzer des Internetdienstes. Damit sei den Fahndern des LKA, die in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Konstanz
ermittelt hätten, der bislang größte weltweite Schlag gegen diese
Straftäter gelungen.
Den ersten Hinweis hatte das LKA im Sommer 2006 durch ein
Kinderschutzportal aus Italien bekommen. Daraufhin stellten die
Fahnder bei dem Internetdienst aus dem Raum Konstanz nach eigenen
Angaben zwei Videodateien fest, die den massiven sexuellen Missbrauch
eines Mädchens zeigten. Die Dateien konnten weltweit von jedem Nutzer
abgerufen werden, der den Link kannte.
Erschreckend hohe Zugriffe
Innerhalb eines Monats wurde nach den Recherchen des LKA auf diese
Inhalte 48.000 Mal zugegriffen. Diese Zahl sei selbst für die
erfahrenen Beamten erschreckend hoch. Der Großteil der Nutzer kam aus
dem Ausland, wo auch umgehend Ermittlungen eingeleitet wurden.
Inzwischen seien in Polen 65, in Australien 38, in der Türkei 53 und
in Österreich 80 Verdächtige ermittelt oder bereits festgenommen worden.
Bei den Durchsuchungen in Deutschland sei ein Tatverdächtiger in
Niedersachsen auf frischer Tat ertappt worden, als er gerade
kinderpornografische Bilder auf seinen Computer herunterlud. Andere
Verdächtige hätten den Ermittlungen zufolge ihre eigenen Kinder
missbraucht, einer von ihnen täglich. Er sei bereits zu acht Jahren
Haft verurteilt worden. Weitere Täter seien wegen Besitzes
kinderpornografischer Schriften zu Haftstrafen bis zu 15 Monaten oder
Geldstrafen verurteilt worden.
Die Deutsche Kinderhilfe forderte ein höheres Strafmaß für die
Nutzer von Kinderpornografie. Sie kämen glimpflicher weg als Diebe,
kritisierte der Vorstandsvorsitzende Georg Ehrmann am Freitag im
Fernsehsender "N24". Die Täter müssten bestraft werden als
Sexualstraftäter und nicht als harmlose Voyeure, wie es im Moment der
Fall sei.