Seit Jahren ist bekannt: nicht alle Gebiete in Deutschland sind mit schnellen Breitbandzugängen via
DSL versorgt. Sobald allerdings konkrete Zahlen gefragt sind, gibt es häufig unterschiedliche Angaben. Je nach Quelle werden bis zu fünf oder sechs Millionen Bürger ohne Breitbandanschluss genannt. Neues Zahlenmaterial kommt nun von offizieller Stelle.
Breitbandatlas aktualisiert
Die Bundesregierung hat auf eine Anfrage der Fraktion Die Linke eine
Zwischenbilanz zu den Breitbandaktivitäten der Großen Koalition vorgelegt. Zwischen Mai und Dezember 2007 wurden 273 Gemeinden neu an das Breitbandnetz angeschlossen. Im ersten Halbjahr 2008 wurde das
Breitbandportal des Bundeswirtschaftsministeriums überarbeitet und erweitert. Interessierte, noch unversorgte Gemeinden finden auf dem Portal Beispiele aus der Praxis, wie Breitbandlücken auch ohne öffentliche Gelder geschlossen werden können. Außerdem bietet das Portal eine
Übersicht über alle nationalen und europäischen Fördermaßnahmen für den Breitbandausbau.
Anbieter von Breitbandlösungen können auf eine mit Hilfe der
Deutschen Telekom erstellte Liste aller DSL-Hauptverteiler zugreifen. Nach Ansicht der Bundesregierung wird die Schließung von Versorgungslücken durch die Wettbewerber dadurch erleichtert. Bereits auf der Cebit wurden die Ergebnisse von einzelnen Pilotprojekten vorgestellt. Berater der Bundesregierung hatten in verschiedenen Regionen die Kommunen bei dem Aufbau einer Breitbandversorgung unterstützt. Bei künftigen Förderungen versteht die Bundesregierung unter Breitband eine Übertragungsrate von mindestens einem Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Angebote mit geringerer Bandbreite werden nicht mehr gefördert. Anfang Juni schließlich wurde der sogenannte
Breitbandatlas aktualisiert.
816.906 Haushalte noch ohne Breitbandzugang
Mittlerweile hätten 98 Prozent aller deutschen Haushalte einen Breitbandzugang. Über 70 Prozent dieser Haushalte surfen mit einer Bandbreite von mindestens zwei Mbit/s durch das Internet. Aktuell wird mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund mittels
Befragungen direkt vor Ort eine Datenbank erstellt, um den Breitbandbedarf der noch unversorgten Gemeinden zu ermitteln. Noch im August sollen erste Ergebnisse für Rheinland-Pfalz veröffentlicht werden, danach soll die Befragung auf die übrigen Bundesländer ausgedehnt werden.
Insgesamt 816.906 Haushalte sind noch nicht mit Breitband versorgt, sie verfügen über eine maximale Bandbreite von höchstens 128 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s). Die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen bieten hier die beste Versorgung: alle Haushalte in diesen drei Bundesländern haben Zugang zu einem Breitbandanschluss. In den größeren Flächenstaaten Bayern, Sachsen, Baden-Württemberg, Hessen oder Sachsen-Anhalt finden sich dagegen jeweils zwischen rund 60.000 und 148.000 Haushalten ohne Breitbandversorgung. Am meisten unversorgte Gemeinden verzeichnen Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz. Im Jahr 2008 stehen insgesamt 16,7 Millionen Euro an öffentlichen Geldern für die Förderung der Breitbandversorgung in ländlichen Gebieten zur Verfügung. Eine Erweiterung des sogenannten
Universaldienstes um Breitbandzugänge lehnt die Bundesregierung ab. Dieses würde eine Schließung der Breitbandlücken durch den Staat bedeuten, die Große Koalition setzt hier aber weiter auf den Wettbewerb.