Schon seit einigen Monaten schwelt ein Streit zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern und der privaten Medienbranche. Der Vorwurf: Die anhaltende
Expansion, welche ARD und Co. derzeit im Internet vorantreiben, bedrängt zusehends das Geschäft der Privaten. Zu unrecht, wie diese meinen, da die Ambitionen weit über den Auftrag zur Grundversorgung hinausschießen und dabei gleichzeitig die Gelder der
Gebührenzahler fehlgeleitet würden. Mit Plänen für ein großes Video-on-Demand-Portal streut der Westdeutsche Rundfunk (WDR) nun neues Salz in die Wunde - zumal dieses - anders als die bisherigen Sender-Mediatheken - kostenpflichtig sein soll.
Änderung der Vertriebsstrategie
"Ich würde Inhalte, an denen wir die Rechte haben, nach Ablauf der Nutzung in den Mediatheken gerne mit starken Partnern wie Studio Hamburg oder der Bavaria mit einem eigenen Portal kommerziell verwerten", teilte der erst kürzlich in sein Amt berufene Geschäftsführer der WDR Mediagroup, Michael Loeb, dem Branchenmagazin "Horizont" mit. Über die Plattform sollen in erster Linie ARD-Sendungen angeboten werden. Juristische Bedenken habe Loeb laut Bericht nicht: "Mein Ziel ist es, das, was rechtlich möglich ist, auch auszuschöpfen." Für ihn mache es keinen Unterschied, ob Inhalte auf CD oder DVD vertrieben werden oder im Internet.
Lukratives Geschäftsfeld
Der Anteil der Vermarktung per Internet soll nach Wünschen des WDR mittelfristig weiter wachsen: "Die neuen Geschäftsfelder sind gerade bei der Verwertung von Rechten sehr lukrativ und bekommen eine immer größere Bedeutung. Das ist extrem ausbaufähig", so Loeb zu "Horizont". Dennoch würde man auch in Zukunft nicht umhin kommen, auf die traditionelle TV-Werbung zu verzichten. "Das Schlimmste, was der Werbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen passieren kann, ist eine Marginalisierung. Je relevanter wir sind, desto schwieriger ist es, uns abzuschaffen."