Verlassen die Ratten das sinkende Schiff? Bertelsmann jedenfalls streicht die Segel und verkauft dem Partner Sony Corporation seinen 50-Prozent-Anteil an dem weltweit zweitgrößten Musikunternehmen Sony BMG.
Alles geht an die Japaner
Die Japaner bleiben an Deck des Gemeinschaftsbootes zurück und steuern den Kahn durch die raue See der hart umkämpften Musikbranche.
Das Musikunternehmen firmiert künftig unter dem Namen Sony Music Entertainment Inc und wird zu einer 100-Prozent-Tochter der Sony Corporation of America. Das geht aus einer gemeinsamen Presseerklärung hervor. Sony und Bertelsmann hatten das Joint Venture Sony BMG im August 2004 gemeinsam gegründet.
Sorgenkind Musikbranche
Dass die Musiksparte nicht gerade das Lieblingskind der Gütersloher ist, hatte sich bereits im Vorfeld angedeutet. Wie das Magazin "Focus" in seiner Online-Ausgabe berichtet, hat der neue Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Hartmut Ostrowski die Branche schon im Dezember 2007 als wachstumsschwach bezeichnet. Sony hingegen gibt sich frohgemut und verspricht den Verbrauchern weiterhin ein "umfassendes Unterhaltungsangebot".
Die Sony BMG hatte nach Sony-Angaben im ersten Halbjahr 2008 erneut Umsatzrückgänge hinnehmen müssen, berichtet der "Spiegel". Und nicht nur das Joint Venture stöhnt – die gesamte Musikbranche macht wechselhafte Zeiten durch. CDs und DVDs verlieren an Marktanteilen. Verluste, die das aufstrebende Download-Geschäft offenbar nicht auffangen kann.
Neues Portal: Musicbox.de
Dabei hatte Sony BMG erst kürzlich und fast unbemerkt beschlossen, sich mit einem eigenen Musikportal ein Stück vom Sounddatei-Kuchen sichern. Erst im August öffnete das Musikportal
Musicbox.de seine virtuelle Ladentür. Herunterladen kann man aktuelle Hits, Videos und Klingeltöne.
Über 350.000 Songs sind unverschlüsselt im MP3-Format zu 320 KBit/Sekunde verfügbar. Außerdem gibt es Videos und Klingeltöne ohne Abo, aber auch nicht gerade zu Discounterpreisen. Musikdateien sind ab 1,19 Euro pro Stück zu haben, ganze Alben kosten zwischen 6,99 Euro und 9,99 Euro. Der Klingelton fürs Handy schlägt mit 2,99 Euro zu Buche, ist dafür aber ohne Abo zu haben.
Die Rechnung wird per Lastschrift oder Kreditkarte beglichen. Medienberichten zufolge soll man in Kürze auch per Festnetztelefon bezahlen können.