Man stelle sich vor: Eine Rock-Band entschließt sich dazu, ihr jüngstes Album kostenlos und für jeden verfügbar über ihre Website zum Herunterladen anzubieten. Nur wenige Augenblicke später kursieren erste illegale Kopien der Dateien im Netz, massenweise drücken Filesharer rund um den Erdball auf den Download-Knopf und ziehen sich die digitalisierten Musikstücke auf ihre eigenen Platten: Klingt unglaublich – ist aber so geschehen. Die Band war Radiohead und der Name des Albums lautete "In Rainbows". Der Vorfall beweist einmal mehr, dass legale Tonkunst ein Image-Problem hat.
Filesharing ist schick
Die "Financial Times Deutschland" (FTD) hatte mit Hinweis auf eine Gemeinschaftsstudie der Musikverwertungsgesellschaft MCPS-PRS Alliance und des Marktforschers Bigchampagne aufmerksam gemacht. Radiohead hatte im Oktober 2007 das Album auf der
Band-Website veröffentlicht, wobei die Fans aufgefordert wurden, für die Downloads soviel zu bezahlen, wie sie möchten. Wie später bekannt wurde, hatten lediglich zwei Fünftel aller Nutzer Geldbeträge überwiesen. Spannender jedoch war die Entwicklung jenseits der offiziellen Wege: Wie die FTD mitteilt, sei "In Rainbows" innerhalb der ersten 24 Stunden rund 400.000-mal über das Filesharing-Netzwerk Bittorrent heruntergeladen worden. Nach 25 Tagen lag die Zahl bei 2,3 Millionen. Laut der Studie würde die Summe der legalen Downloads über die Radio-Seite "nur einen Bruchteil" dessen betragen.
"Tauschbörsen werden niemals verschwinden"
"Inhaber von Urheberrechten sollten sich der Tatsache bewusst sein, dass sich die Tauschbörsen hartnäckig halten. Sie sind unglaublich beliebt und werden niemals verschwinden", zitiert die Zeitung den Bigchampagne-Chef Eric Garland. Plattenfirmen hätten dies zu akzeptieren. "Es ist an der Zeit, nicht mehr gegen den Strom der Kundenwünsche zu schwimmen."
Im Übrigen stellten Raubkopien im Internet keine wirtschaftliche Bedrohung dar. Wie der Erfolg von Radiohead zeige, kurbelten die Torrent-Downloads das Geschäft sogar an, indem sie die Bekanntheit der Band steigerten. Im Zuge der Albumveröffentlichung hätte Radiohead eine "enorme Nachfrage" nach Konzertkarten verzeichnen können. Plattenfirmen sollten sich von diesem Vorteil überzeugen lassen, bevor sie über umfangreiche Investitionen in die Bekämpfung von Filesharing überlegen.