Amerika wird oft das Land der unbegrenzten Möglichkeiten genannt. Gerne präsentieren sich die Vereinigten Staaten als für alle Bürger offenes Land. Die sehr weitgehende "Transparenz" eines neuen US-Webangebots würde bei deutschen Datenschützern allerdings schnell alle Alarmglocken läuten lassen. Auch wenn Deutsche gerne eigene Daten im Netz
veröffentlichen, würden sicher nur die wenigsten erfreut sein, mögliche eigene Verkehrsvergehen oder Straftaten im Netz zu finden.
Suche in Kriminalarchiven
Die "New York Times" berichtet über die derzeit noch als Beta-Version laufende Internetseite
criminalsearches.com. Dort steht für jeden Internetsurfer offen zugänglich eine umfassende Datenbank mit detaillierten Angaben aus Kriminalarchiven bereit. Jeder Amerikaner, der etwa ein Verkehrsvergehen begangen hat, ist hier mit den persönlichen Angaben wie Geburtsdatum, Wohnort, teils auch mit Fotos zu finden. Ähnliche Angebote gibt es in den USA schon länger, doch diese waren kostenpflichtig. Nun ist nicht einmal eine Registrierung notwendig, die Eingabe eines Namens oder einer Adresse reicht aus, um Vorbestrafte ausfindig zu machen.
Vorbestrafte in der Nachbarschaft

Auch Paris Hilton ist mit einem Eintrag zu finden.
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Screenshot: onlinekosten.de
Criminalsearches.com ist komplett werbefinanziert und ermöglicht über die sogenannte "Neighborhood Watch" die nähere Nachbarschaft nach möglichen dort wohnenden Straftätern zu durchforsten. Dies soll nach Angaben des Anbieters PeopleFinders bei der Beurteilung von Babysittern, Lehrern, Handwerkern, Nachbarn oder Freunden der Kinder helfen. Die Seite bietet die Suche nach Namen in den Kriminalarchiven aller 50 US-Staaten und allen 3.500 Counties. Die Daten erhält PeopleFinders direkt von den lokalen Gerichten. Auch schwere Straftaten wie Mord, Vergewaltigung, Kidnapping oder Raub sind verzeichnet. Um immer über über bestimmte Personen informiert zu sein, können sich Nutzer auch für den sogenannten "Criminal Alert" kostenlos registrieren. Per E-Mail werden sie unter anderem dann auch informiert, wenn vorbestrafte Personen in die nähere Nachbarschaft ziehen.
Datenschutz wird ausgeklammert
Die Privatsphäre bleibt bei einem solchen Dienst außen vor.
Byrce Lane, Präsident von People Finders erklärt, dass sein Unternehmen den Menschen nur das in einfacherer, kostenloser Form anbiete, was sowieso schon zugänglich sei. "Wir denken dies ist sehr nützlich für Familien", so Lane. Zugleich gibt Lane allerdings auch zu, dass sich einige Fehler in der Datenbank befinden, da einige Städte ihre Strafregister schneller digitalisieren und updaten als andere Orte. Die Gefahr: Unbescholtene Bürger können so öffentlich in ein schiefes Licht gerückt werden, bis ein Fehler in der Datenbank wieder korrigiert wird. In Deutschland ist eine solche öffentlich einsehbare Strafkartei derzeit - noch - undenkbar.