Kostenpflichtige Fernsehsender auf einem kleinen Handy-Display: Kann dies wirklich langfristig als tragfähiges Geschäftsmodell taugen? Berechtigte Zweifel wurden schon früh laut, noch ehe das Konsortium
Mobile 3.0 Anfang Juni in vier Großstädten
testweise an den Start gegangen war. Unter anderem hatte
Vodafone-Chef Friedrich Joussen bereits im Mai das Handy-TV in Deutschland für
gescheitert erklärt.
Betrieb wird bald eingestellt
Und die Schwarzseher sollten in der Tat Recht behalten. Das "Handelsblatt" hat aus unternehmensnahen Kreisen von der Aufgabe von Mobile 3.0 erfahren. Der Betrieb werde in Kürze eingestellt, Mobile 3.0 gab dazu keinen Kommentar ab. Das "Handelsblatt" gehört zum Holtzbrinck-Verlag, der wiederum als Gesellschafter am Konsortium von Mobile 3.0 beteiligt ist. Auf Basis des DVB-H Standards wollte Mobile 3.0 Handy-TV in Deutschland einführen. Intern werde die Schuld Netzbetreibern und Telekommunikationsunternehmen zugeschoben, die für Verzögerungen gesorgt hätten. Auf deren technische und vertriebliche Unterstützung ist Mobile 3.0 aber zwingend angewiesen. Ein kleiner Trost: Die in das offenbar nun gescheiterte Handy-TV Projekt getätigten Investitionen seien laut "Handelsblatt" überschaubar gewesen.
Kostenlose Alternativen zu DVB-H
Erst vor wenigen Tagen hatte der High-Tech Verband Bitkom eine Umfrage veröffentlicht, nach der rund 5,6 Millionen Deutsche gerne die olympischen Spiele per Handy-TV anschauen würden. Allerdings begeisterten sich vor allem Befragte aus der Altersgruppe der zehn- bis siebzehnjährigen für das Mäusekino auf dem Handydisplay.
Ein weiterer Grund für das Scheitern von Handy-TV per DVB-H ist die kostenlose Konkurrenz durch DVB-T. LG hat sein Handy
HB620T mit externer Antenne für den DVB-T Empfang erfolgreich auf den Markt gebracht. Damit ist ebenso wie mit anderen mobilen DVB-T-Empfängern ein TV-Empfang auch unterwegs kostenlos möglich. Auch
Handy-TV via Satellit wird ein größeres Potential als dem nun gescheiterten DVB-H-Modell zugetraut.