Zugegeben, was die
Wii-Fans von der diesjährigen E3-Spielemesse in Kalifornien mit nach Hause nehmen konnten, war wenig: Nintendo hatte ganze drei neue Games angekündigt, dazu einen
Controller-Adapter, der beim Spielen eine präzise Echtzeitübersetzung der Armbewegungen erlauben soll – ein längst überfälliges Zubehör, wie viele Konsolenbesitzer der ersten Stunde meinen. Doch dass sich die Uhren in der Innovationsfabrik Nintendo langsamer drehen, bestreitet Unternehmenschef Satoru Iwata vehement.
Altspieler in der Warteschleife
In einem Interview mit "Spiegel Online" verteidigt Iwata die Strategie des Konsolenherstellers: "Man muss bedenken, dass die E3 immer ein guter Ort ist, um neues Publikum, um ein Massenpublikum zu erreichen, weil das Medieninteresse so groß ist. Also haben wir uns auf die Spiele konzentriert, die wir mit neuen Kunden im Hinterkopf entwickelt haben. Wir wollten zeigen, was wir dieses Jahr und Anfang 2009 auf den Markt bringen werden." Den "harten Kern der Gamer" habe man dabei nicht vergessen, allerdings sei die Entwicklung von Spielen wie "Mario" und "Zelda" mit zwei bis drei Jahren Produktionszeit ungleich aufwändiger. "Wir können nicht jedes Jahr ein neues ankündigen, aber natürlich arbeiten wir an neuen Spielen. Hardcore-Gamer sind für uns sehr wichtig, weil sie Begeisterung für Spiele mitbringen und andere ermutigen, auch zu spielen." Auf einen richtigen Knaller werden die Altspieler mindestens bis zum Sommer 2009 warten müssen.
Wii wird kein Online-Unterhaltungscenter
Bei einem Seitenblick zur Konkurrenz wird Iwata nicht nervös: Sony und Microsoft setzen bei ihren Konsolen
Playstation 3 und
Xbox 360 vermehrt auf die Online-Anbindung: So hat beispielsweise Microsoft nach dem Tod des scharfen Videoformats HD-DVD angekündigt, auf ein alternatives
Blu-ray-Laufwerk für die Xbox zu verzichten. Der Tonus: Wofür braucht man noch optische Lesegeräte, wenn man Spiele, Filme und Musik gleich aus dem Netz herunter laden kann? Stattdessen wird Microsoft den Speicher der 20-Gigabyte-Variante
verdreifachen.
Setzt auf Offline-Spaß: die Wii. Foto: Nintendo
Solche Pläne sind dem Nintendo-Boss fremd: "Nein, wir planen nicht, Filme oder Ähnliches online zu verkaufen, das ist nicht unser Geschäft. Wir sind ein Videospielunternehmen, wir haben nicht die Infrastruktur, einen riesigen Online-Dienst aufzusetzen. Das wäre außerdem zu teuer", erklärt Iwata im Interview. "Es gibt Online-Elemente in unseren Spielen, aber nur dann, wenn dies das Spielerlebnis selbst intensiver macht."