Der Versuch,
Wikipedia vom Thron zu stoßen, klingt recht ambitioniert – dennoch hat sich Google mit "
Knol" (gesprochen "Noll") genau dieses Ziel gesetzt: eine eigene Enzyklopädie, deren Inhalte sich aus der Mitmachmentalität ihrer Leser speist. Schon im Dezember gewährte die Suchmaschine einen
ersten Blick auf das Projekt, jetzt ist der Vorhang endgültig gefallen.
"Moderierte Zusammenarbeit"
Anders als das Wiki-Universum, das auf in demokratischen Diskussionsrunden gewonnenes Kollektivwissen setzt, ist bei Knol Einzelkämpfermentalität angesagt. "Das Schlüsselprinzip hinter Knol ist die Autorschaft", heißt es in der offiziellen Google-Ankündigung. "Jedes Knol wird von einem Autor – oder einer Gruppe von Autoren – produziert, die dem Artikel ihren Namen voranstellen: Es ist ihr Knol, ihre Stimme, ihre Meinung. Wir gehen davon aus, dass es viele Knols zum selben Themengebiet werden gibt und wir denken, dass es eine gute Sache ist." Damit der Web 2.0-Gedanke jedoch nicht völlig auf der Strecke bleibt, hat Google eine Form der "moderierten Zusammenarbeit" eingeführt: Leser können jederzeit inhaltliche Vorschläge zu Artikeln machen – es liegt dann an den jeweiligen Autoren, die Tipps zu übernehmen oder nicht. Darüber hinaus haben Besucher jederzeit die Möglichkeit, ihre Überlegungen durch Kommentare, Rezensionen und Bewertungen sichtbar darzulegen.
Nicht umsonst schreiben
Die Motivation zum Schreiben kommt aber nicht nur alleine durch den Reiz, dass sein eigenes Foto dereinst einen Enzyklopädieartikel zieren könnte: es gibt auch etwas zu verdienen. Google hat es seinen Autoren nämlich freigestellt, ob Werbung am Rand der Texte geschaltet werden soll. Sofern die Leser die Reklame anklicken, werden die dadurch erzielten Einnahmen anteilig an den Artikelschreiber weitergegeben.
Sonnenmilch, Lungenkrebs und verstopfte Toilettenschüsseln
Ein Knol zum Thema Osteoporose. Bild: Google
Bis das aber alles soweit ist, hat Knol noch einen langen Weg vor sich. In den ersten 24 Stunden seit der Eröffnung trudelten erste verschriftlichte Geistesblitze zu den Themen Sonnenmilch, Lungenkrebs und verstopfte Toilettenschüsseln ein – auch Tipps für Singapur-Besucher finden sich bereits in dem Katalog. Zugegeben: Neben gutgemeinten Ratschlägen des Alltags finden sich auf Knol auch die Beiträge akademischer Würdenträger wie Ärzte, Ingenieure und Psychologen, die sich in sehr anschaulicher Weise ihrem Gegenstand nähern. Es scheint, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis sich auf Knol eine klare Linie durchgesetzt hat.