Dienstag, 22.07.2008 09:09

Größter eBay-Powerseller unter Betrugsverdacht

aus dem Bereich Sonstiges
Es könnte einer der größten Betrugsfälle werden, die eBay in Deutschland je erlebt hat. Die Frankfurter Selectronica GmbH zählte jahrelang zu den Big Playern der Auktionsplattform. Nach Angaben der "Bild" beschäftigte der Powerseller zuletzt 60 Mitarbeiter und setzte rund zehn Millionen Euro im Jahr um. Fest steht: Seit 2005 führt das Unternehmen die Top 10-Liste der umsatzstärksten eBay-Powerseller Europas an. Und fest steht auch: Selectronica hat sich vom Markt verabschiedet – mit dem Geld hunderter geprellter Kunden.

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Insolvenz verschleppt?

"Wir ermitteln unter Verdacht des Betruges und der Insolvenzverschleppung", bestätigte eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft gegenüber onlinekosten.de. Am Donnerstag seien die Büroräume der Selectronica sowie die Privaträume der Geschäftsführerin durchsucht und umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden. Die Behörde reagiert damit auf eine Flut von Anzeigen Betroffener, die sich aus ganz Deutschland meldeten: "Die genaue Zahl kann ich nicht nennen – aber die Anzeigen füllen zwei Ordner."

Unstimmigkeiten schon seit Längerem bekannt

Schon im Frühling müssen dem Auktionshaus Unregelmäßigkeiten bei dem Powerseller-Riesen mit den 30 Händlernamen aufgefallen sein. "Ab dem 30. Mai 2008 hatte eBay die Selectronica GmbH verpflichtet, bei nahezu all ihren Angeboten PayPal als eine Zahlungsoption anzubieten", formuliert es eine eBay-Sprecherin. "Dies erfolgte um sicherzustellen, dass den Käufern eine Bezahlung über PayPal möglich war und so eine schlechte Kauferfahrung über den PayPal-Käuferschutz bis zu 1.000 Euro abgesichert werden konnte." Es habe "Anzeichen für eine Verschlechterung der Kundenzufriedenheit" gegeben, weshalb man dem Verkäufer eine letzte Frist einräumte, um die Qualitätsanforderungen zu erfüllen. Andernfalls würde eBay sämtliche Selectronica-Mitgliedskonten sperren. Da die Beschwerden der Käufer in der Folgezeit eher zunahmen, hätte eBay am 13. Juni beschlossen, sämtliche Verkaufsaktivitäten des Unternehmens auf der Plattform zu stoppen.

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Reihenweise schlechte Bewertungen für Selectronica - doch leider zu spät. Screenshot: onlinekosten.de


Ein Powerseller auf Tauchstation

Seitdem ist es ruhig um die Selectronica GmbH geworden. Käufer hatten in Einzelfällen bis zu 3.000 Euro für gewonnene Auktionen auf das Firmenkonto überwiesen – und die Ware nie zu Gesicht bekommen. Doch in Frankfurt herrscht Funkstille: Auch für die Redaktion war die Geschäftsführerin Daniela Kaufhold nicht zu sprechen. Auf der Händler-Informationsseite heißt es lapidar: "Durch die Neustrukturierung unseres Angebots wird es auf diesem Selectronica Account ab sofort keine neuen Auktionen mehr geben." Auch, wer sich als getäuschter Käufer auf den Weg nach Frankfurt machte, dürfte schlechte Karten gehabt haben. Wie die Staatsanwaltschaft weiter mitteilte, sei das Firmenschild kurzerhand abgenommen worden.

eBay tröstet mit dem Käuferschutz

In den kommenden Monaten wird die Behörde das beschlagnahmte Material zunächst sichten - einen heißen Tipp habe man für die Betroffenen derweil nicht: "Eine Anzeige bedeutet leider nicht, dass sie ihr Geld zurückbekommen", fasst die Sprecherin die Situation zusammen. Wer Klage gegen die Selectronica GmbH einreicht, könne jedoch dabei helfen, das Ausmaß des Falles festzustellen. Ebay selbst hält sich in dieser Hinsicht zurück: Man habe nicht vor, juristisch gegen den ehemaligen Top-Verkäufer vorzugehen. Wer als Käufer in die Falle getappt sei und mit PayPal bezahlt hat, könne über den Käuferschutz das Geld für die Ware und die Versandkosten ohne jeglichen Selbstbehalt von der Plattform zurückverlangen.
André Vatter
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    Zuletzt kommentiert von unimatrix01 am 23.07.2008 um 23:03 Uhr
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