Dieses Mal war Microsoft schneller als Apple. Die Redmonder hatten bereits zum Ende vergangener Woche ihre Quartalszahlen auf den Tisch gelegt, Apple – derzeit mit Nachschubsorgen für das neue
iPhone beschäftigt – will sich hingegen erst am Montag in die Karten gucken lassen. Das mustergültige Vorangehen von Microsoft hat seinen Grund, immerhin besteht kein Anlass, gute Nachrichten länger als nötig der Öffentlichkeit vorzuenthalten. Das gilt nicht nur für den Konzerngewinn, sondern auch für den Image-Problemfall
Vista: Das Betriebssystem scheint sich mit 180 Millionen verkauften Lizenzen langsam aus dem Schatten seines Vorgängers Windows XP zu lösen - oder nicht?
Solide Zahlen…
Insgesamt konnte Microsoft im vergangenen Quartal ein Umsatzwachstum von einstmals 13,4 Milliarden US-Dollar auf 15,8 Milliarden Dollar hinlegen – ein Anstieg in Höhe von rund 18 Prozent. Der Gewinn nach Abzug aller steuerlichen Verpflichtungen konnte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um satte 42 Prozent zulegen – und liegt damit bei 4,3 Milliarden Dollar. Es hätte mehr sein können, wie Microsoft selbst einräumt: allerdings hätte die im eingeführte Garantieerweiterung für die
Xbox 360 dabei einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Ein erwirtschafteter Jahresumsatz in Höhe von 60 Milliarden Dollar ist ein hervorragendes Ergebnis", freute sich der leitende Microsoft-Geschäftsführer Kevin Turner dennoch. Die Kombination von "großartigen technologischen Lösungen" und den internationalen Anstrengungen im Vertrieb hätten im Wesentlichen dazu beigetragen.
…offene Fragen und…
Wie zuvor hat Microsoft den Erfolg seiner Software-Lösungen zu verdanken: Windows Server 2008, SQL Server 2008 and Visual Studio 2008, Office-Pakete und Windows Vista hätten sich ordentlich verkauft. Ob die Redmonder mit den Absatzzahlen des neuen Betriebsystems tatsächlich zufrieden sind, bleibt weiter unklar, immerhin hatte man im Vorfeld des offiziellen Launches vor anderthalb Jahren wohl wissend auf jegliche Prognose verzichtet. Wie auch immer: 180 Millionen Lizenzen wurden in dieser Zeit an den Mann gebracht. In den amerikanischen Medien und Branchenkreisen herrscht jedenfalls weiterhin Verwirrung darüber, ob mit den Zahlen eine Trendwende dokumentiert werden soll.
…ein nüchterner Ausblick.
Die Nachrichten wurden an der Wall Street nicht ganz mit der erhofften Euphorie aufgenommen. Einige Anleger verkauften ihre Papiere, bei Börsenschluss hatte die Aktie um rund fünf Prozent nachgegeben. Microsoft hatte durch einen Ausblick auf das kommende Quartal Aussichten getrübt: Der Umsatz soll gegen Ende September auf 14,7 bis 14,9 Milliarden Dollar leicht zurückfallen. Für das Gesamtjahr sei ein Gesamtumsatz in Höhe von 67,3 Milliarden bis 68,1 Milliarden Dollar angepeilt.