Vier von fünf Anbietern von Handy-Klingeltönen oder Hintergrundbildern in Europa sind unseriös. Das geht aus einer am Donnerstag in Brüssel veröffentlichten Untersuchung der EU-Kommission hervor. In Deutschland wurden demnach zwei von drei untersuchten Internetanbietern beanstandet. "Es ist klar, dass die Verbraucher abgezockt werden", kritisierte EU-Verbraucherkommissarin Meglena Kuneva.
Viele beanstandete Seiten
Insgesamt nahm die EU-Kommission 558 Anbieter von Klingeltönen oder Handy-Hintergrundbildern in den 27 EU-Staaten sowie Norwegen und Island unter die Lupe. Auf jeder zweiten Internetseite wurden Kunden demnach über die Kosten irregeführt. So seien Preise bei vielen Anbietern versteckt oder gar nicht ausgezeichnet. Gerade Kinder lüden dann scheinbar "kostenlose" Klingeltone auf ihr Mobiltelefon, kritisierte Kuneva. Bei mehr als 70 Prozent der Webseiten fehlten zudem von der EU vorgeschriebene Angaben zum Anbieter. Klingeltöne sind ein rasant wachsender Markt: Der europaweite Umsatz betrug im vergangenen Jahr schätzungsweise 691 Millionen Euro.
Keine scharfen Eingriffe geplant
Trotz des weit verbreiteten Missbrauchs hält Kuneva schärfere Gesetze nicht für nötig. Die bulgarische Kommissarin rief die Mitgliedstaaten auf, das geltende Recht anzuwenden und möglichst schnell beanstandete Webseiten zu schließen. Sie werde nicht zögern, Verfahren gegen EU-Länder einzuleiten, die diesem Aufruf nicht nachkämen, sagte die Kommissarin. Ende September will Kuneva beim Treffen der für Wettbewerbsfragen zuständigen Ministern Druck machen.
Hayo Lücke
/ afp