Montag, 14.07.2008 12:53

Freenet-Chef Spoerr denkt an Abschied

aus den Bereichen Breitband, Mobilfunk
Der Höhepunkt eines in mehreren Akten angelegten Dramas naht. Der Internetkonzern United Internet und der Mobilfunkanbieter Drillisch hatten über mehrere Monate zunächst selber versucht den DSL- und Mobilfunkanbieter freenet zu übernehmen. Nachdem dies gescheitert war, intervenierten die beiden freenet-Großaktionäre heftigst, aber letztlich vergeblich, gegen eine Übernahme des Mobilfunkunternehmens debitel durch den DSL-Anbieter freenet. Der große Knall droht nun bei der freenet-Hauptversammlung am 8. August.

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Mögliche Aufstockung der Anteile

Eckard Spoerr, Vorstandsvorsitzender von freenet, hatte sich lange Zeit auf Augenhöhe mit Ralph Dommermuth, Chef von United Internet, messen können. Briefwechsel zwischen den beiden wurden veröffentlicht und der freenet-Coup mit Debitel war ein gelungenes Meisterstück von Spoerr. Doch bei der kommenden freenet-Hauptversammlung könnte es eng werden. Spoerr sagte gegenüber der "Welt am Sonntag", dass er davon ausgehe dass United Internet und Drillisch, die derzeit einen Anteil von unter 25 Prozent an freenet halten, ihren Anteil auf rund 29,9 Prozent aufstocken werden. Bei einem Anteil von 30 Prozent und mehr müssten die beiden Unternehmen den anderen freenet-Aktionären ein Übernahmeangebot für deren Anteile unterbreiten.

Rückzug bei Scheitern auf der Hauptversammlung

Da bei Hauptversammlungen meist nur eine geringe Wahlbeteiligung vorhanden ist, könnte Dommermuth zusammen mit Drillisch über die notwendige Mehrheit verfügen, um Anträge durchzubringen. Dann wäre ein Sturz des Aufsichtsrats und Entmachtung des Vorstands möglich. Spoerr sieht ein solches Verhalten als "grenzwertig" an. "In meinen Augen ist das ein Kampf von Gut gegen Böse", so Spoerr. Kampflos will er aber nicht aufgeben. "Ich setze darauf, dass wir genug Aktionäre finden, die dieses Vorgehen erkennen und sich dagegenstemmen. Wesentlich ist, dass viele Aktionäre zur Hauptversammlung kommen und mitstimmen", hofft der freenet-Vorstandsvorsitzende. Sollte er den Showdown auf der Hauptversammlung verlieren so stehe sein dann zu treffender Entschluss bereits fest: "Dann bin ich weg, von einem Tag auf den anderen, mit reinem Gewissen."
Jörg Schamberg
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