Die Niederlande galten lange Zeit als das Sinnbild von Toleranz und Freizügigkeit. Doch in dem kleinen westeuropäischen Land der Tulpen und Windmühlen hat seit einigen Jahren eine Kehrtwendung eingesetzt. Ein rigoroseres Durchgreifen des Staates ist nun häufiger festzustellen. Dies spüren derzeit auch einige niederländische
Hosting-Anbieter und Internetprovider, die Bekanntschaft mit den Gerichten machen mussten.
torrent.to wird abgeschaltet
Ein Amsterdamer Gericht hatte am 8. Juli per einstweiliger Verfügung entschieden, dass der niederländische Internetprovider Euroaccess das Internetportal torrent.to vom Netz nehmen muss. Das Portal gilt als Rückzugsraum für Raubkopierer, die über torrent.to kopierte Film- und TV-Serien verbreiten. Schwerpunktmässig finden sich dort deutschsprachige Angebote.
Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V. (
GVU) geht daher davon aus, dass deutsche Staatsbürger als Betreiber des Portals fungieren. Die GVU hatte daher in Zusammenarbeit mit der niederländischen Partnerorganisation BREIN eine Abmahnung beantragt. Nach Angaben der GVU sei der Provider Euroaccess jedoch wenig kooperativ gewesen. Erst der Gerichtsbeschluss zwang Euroaccess zum Einlenken. GVU und BREIN konnten vor Gericht nachweisen, dass auf torrent.to illegale Inhalte in erheblicher Menge zum Download angeboten wurden. Der niederländische Richter bescheinigte dem Internetprovider Mitverantwortung für die Begehung umfangreicher Urheberrechtsverletzungen durch Internetnutzer.
Illegale Portale in den Niederlanden unter Druck
Torrent.to ist nicht das einzige Portal, dass von dem härteren Vorgehen der niederländischen Behörden und Gerichte betroffen ist. Der Hosting-Anbieter Leaseweb musste zwei gut besuchte Internetseiten mit Links zu deutschsprachigen
Raubkopien abschalten, ein anderer Provider hatte ein Streaming-Portal mit illegalen Filmen stoppen müssen. Die GVU begrüßte die Entscheidung gegen torrent.to und versprach zusammen mit BREIN gegen alle verleibenden, illegalen Portalseiten in den Niederlanden anzugehen. Dies gelte auch für das populäre Streaming-Portal kino.to. Auch in anderen Ländern geraten Raubkopierer in Bedrängnis. In Frankreich sollen hartnäckige Raubkopierer bis zu einem Jahr von jeglichem Internetzugang
ausgesperrt werden.