Die US-Internetfirma Yahoo hat ein neues Übernahmegebot des Softwareriesen Microsoft als "lächerlich" abgelehnt. Der von Yahoo-Großaktionär Carl Icahn und Microsoft gemeinsam ausgearbeitete Vorschlag habe eine massive Umstrukturierung des kalifornischen Unternehmens sowie den Verkauf der Suchmaschinensparte vorgesehen, teilte der Chef des Yahoo-Verwaltungsrats, Roy Bostock, mit. "Dieses seltsame und opportunistische Bündnis aus Microsoft und Carl Icahn hat alles außer den Interessen der Yahoo-Aktionäre im Sinn", hieß es. Yahoo werde sich aber nicht zu einem solchen ungünstigen Geschäft "prügeln" lassen.
Nach Angaben von Bostock räumten Microsoft und Icahn Yahoo nur eine weniger als 24 Stunden lange Bedenkzeit ein, um über das neue Angebot zu entscheiden. Zudem habe der Vorschlag die Besetzung des Yahoo-Verwaltungsrates mit von Icahn favorisierten Kandidaten sowie die Entlassung von leitenden Angestellten vorgesehen. Icahn hatte sich bereits am vergangenen Montag in einem offenen Brief an die Aktionäre von Yahoo gewandt, um für die Hauptversammlung am 1. August Unterstützung für einen Sturz der derzeitigen Führung zu gewinnen. "Wir sind bereit, unsere Aktionäre darüber entscheiden zu lassen, was in ihrem Interesse liegt - und nicht Microsoft und Carl Icahn. Wir freuen uns auf die kommenden Abstimmung", erklärte Bostock.
Microsoft hatte zuletzt fast 50 Milliarden Dollar (knapp 32 Milliarden Euro) für Yahoo geboten, die Übernahmepläne angesichts heftigen Widerstands im Mai aber für beendet erklärt. Microsoft erhoffte sich durch eine Zusammenarbeit mit Yahoo eine bessere Position in der Konkurrenz mit dem Internetgiganten Google, der den wachsenden Markt für Internetwerbung beherrscht. Nach dem Scheitern der Gespräche mit Microsoft vereinbarte Yahoo mit dem Erzrivalen Google eine umfassende Zusammenarbeit, die derzeit noch von den US-Regulierungsbehörden geprüft wird.
Hayo Lücke
/ afp