Krankenhäuser oder Kirchen gehören wohl zu den wenigen Zufluchtsorten in Deutschland, in denen im Normalfall kein Handyklingeln die Stille stört. Die Nutzung von Mobilfunkgeräten prägt mittlerweile so stark den Alltag, dass viele ohne ihres mit allerlei
Multimedia-Technik ausgerüstetes Handy fast hilflos sind. Auch Diskussionen über die eventuelle Gefährlichkeit von
Handy-Strahlung kann die Begeisterung für die mobilen Telefongeräte nicht brechen. Das altmodische Festnetz wird dagegen immer weniger genutzt.
Europa: 24 Prozent ohne Festnetz
Einen EU-weiten Vergleich der Handynutzung in den jeweiligen Ländern hat der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) jetzt angestellt. Es zeigt sich, dass in manchen Ländern große Teile der Bürger gar keinen Festnetzanschluss mehr besitzen und bereits nur noch per Handy telefonieren. In Tschechien laufen auf den Straßen Prags und anderer Städte besonders viele Menschen mit Handys herum, 64 Prozent der Bürger verfügen über keinen Festnetzanschluss. In anderen osteuropäischen Ländern wie Litauen oder Ungarn ist es ähnlich, der Ausbauzustand des Festnetztes ist nicht sonderlich gut. Der europäische Durchschnitt bei Haushalten mit Handy, aber ohne Festnetz, liegt bei 24 Prozent.
Deutsche setzen noch überwiegend auch auf das Festnetz. Grafik: Bitkom
Festnetz in Deutschland noch weit verbreitet
In Deutschland stellt sich die Lage noch relativ entspannt dar, da das Festnetz hier sehr gut ausgebaut ist. Erst elf Prozent der deutschen Telefonierer nutzen ausschließlich ihr Mobilfunkgerät und sparen sich die Kosten für einen Festnetzanschluss. Dennoch nimmt die Zahl der Festnetzanschlüsse auch hierzulande
stetig ab. 83 Prozent der Deutschen verfügen aktuell über einen Festnetzanschluss, drei Prozent weniger als im Vorjahr. Bisher hatte vor allem die Verknüpfung von Festnetzanschluss mit dem schnellen DSL-Internetzugang für einen weiterhin relativen hohen Bestand von Festnetzanschlüssen gesorgt. Die über das Festnetz geführten Gesprächsminuten gehen weiter zurück. Im letzten Jahr wurden 169 Millionen Gesprächsminuten über das Festnetz geführt, 3,4 Prozent weniger als noch 2006. Dagegen glühten im letzten Jahr die Handys: 20 Prozent mehr Gesprächsminuten im Vergleich zum Vorjahr wurden über Mobilfunkgeräte getätigt, insgesamt 68 Millionen Minuten.
Der Bitkom prognostiziert für dieses Jahr einen europaweiten Handyverkauf von 181 Millionen Geräten, eine Zunahme von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr mit 178,1 Millionen abgesetzten Handys. In Deutschland finden bis zum Jahresende voraussichtlich 27 Millionen Mobilfunkgeräte neue Besitzer.