Eines kann man Google wirklich nicht vorwerfen: fehlende Kreativität. Ideen gehen dem immer weiter expandierenden Internetkonzern so schnell nicht aus. Bestehende Google Dienste werden stetig erweitert, verfeinert oder mit anderen hauseigenen Services verknüpft. In
Google Maps finden sich Picasa-Fotos, YouTube-Videos sind in Google Earth
eingebunden. Nun hat Google die Beta des neuen Chat-Services
Lively gestartet, der mit seinen vielen, bunten, fantasievollen 3D-Chaträumen ein wenig an
Second Life erinnert.
3D-Chat im Browser
Um Lively erleben zu können, ist zunächst ein rund 13 Megabyte großer Software-Download notwendig. Das Programm selber läuft dann allerdings als Plug-in im Internetbrowser. Beim ersten Besuch stehen zahlreiche Chaträume zur Wahl. So finden sich die nachempfundene Google-Zentrale im kalifornischen Mountain View, einsame Inseln mit Palmen, Dating-Cafes, Discos, Schulgebäude, Westernlandschaften oder Fantasiewelten. Lively beherbergt auch bereits russische und chinesische Chaträume sowie ein Deutschland-Café. Auch in Lively haben sich schnell einschlägig betitelte Räume wie "porn place" oder "sexy & hot" eingenistet. Ähnliche Auswüchse hatten der bereits fünf Jahre alte Online-Welt "Second Life" häufiger Probleme bereitet, so dass sie nur noch
für Erwachsene zugänglich ist. Altersbeschränkungen beim Zugriff auf Lively sind derzeit noch nicht geplant.

Viele bunte Avatare stehen zur Wahl.
Bild: Google
Avatare chatten per Sprechblasen
Zur Nutzung von Lively wird ein bestehender, kostenloser Google-Account vorausgesetzt. Nach Anmeldung stehen dann etliche menschliche oder tierische Avatare im Stil von Comicfiguren zur Wahl, die kostenlos mit allerlei Kleidungsstücken individuell ausgestattet werden können. Die Nutzer können eigene Räume kreieren, die sich dann auch leicht per bereitgestelltem HTML-Code auf der eigenen Homepage oder im eigenen Blog einbinden lassen. Der Chat, der auf Googles Chat-Dienst
Google Talk aufbaut, läuft per altbekannter Sprechblase über den Köpfen der Avatare ab. Da Lively zunächst als Beta gestartet wurde, gibt es noch etliche Probleme. In einem ersten Test von onlinekosten.de waren die gewählten Avatare in den Chat-Räumen nicht sichtbar. Auch die besuchten Räume waren alle leer, teils allerdings mit Musik oder Soundeffekten im Hintergrund untermalt. Es gibt an verschiedenen Orten animierte Leinwände oder Fernseher, über die sich YouTube-Videos anschauen lassen. Bilderrahmen können auch schon mal Bilder aus Googles Bilderdienst Picasa zeigen. Werbung ist allerdings noch nicht zu finden. Nach Aussage einer Google-Sprecherin habe der Konzern derzeit angeblich noch keine Pläne Lively als Werbeplattform zu vermarkten. Das Videoportal YouTube hat Google bisher eher
enttäuschende Werbeumsätze eingebracht.
Erfolg durch leichte Einbindung in Internetseiten?
Lively, das in verschiedenen Medienberichten bereits als Konkurrenz oder Gegenentwurf zu Second Life von Linden Labs dargestellt wurde, ist derzeit nichts anderes als ein aufgeblähtes 3D-Chatprogramm. Es gibt keine Verbindung zwischen den einzelnen Chat-Räumen, es existiert also kein virtuelles Lively-Universum. Die leichte Einbindung von Lively in eigene Internetseiten könnte für Google aber ein erfolgsversprechender Weg sein. Internetsurfer könnten dann überall im Netz über einen Lively-Chatraum stolpern. Auch
soziale Netzwerke wie
Facebook oder
MySpace lassen sich mit Lively verknüpfen. Derzeit unterstützt Lively die Internetbrowser Internet Explorer und Firefox sowie die Windows-Betriebssysteme XP und Vista. Gearbeitet werde aber auch an Lösungen für Mac und Linux.
Bisher lassen sich in einem ersten Test nur leere Räume finden.
Screenshot: onlinekosten.de