Wenn am kommenden Freitag, dem 11. Juli, das
iPhone in den Regalen
deutscher Händler steht, erwarten die ungeduldigen Käufer ein topaktuelles Handy – was es auch ist. Zumindest in Anbetracht der Hardware, die sich mit
WLAN,
UMTS und GPS durchaus sehen lassen kann. Auf Seite der Software sieht die Sache bislang noch anders aus. Da verlässt sich das Apple-Handy auf Althergebrachtes.
Über vier Monate Stillstand
Das Mobiltelefon läuft mit einer Miniaturversion von Apple OS X, jenes Betriebsystem, das heute die Software-Grundlage für viele Macs stellt. In der Vergangenheit wurden für die Rechnervariante immer wieder Updates nachgeliefert, das Apple-Handy wartet hingegen vergeblich auf eine Aktualisierung. Wie die "Washington Post" berichtet, sei die iPhone-Software 1.1.4 nach über vier Monaten Entwicklungsstagnation noch immer die aktuellste Version - eine halbe Ewigkeit in der Branche.
"Apple sollte entweder ein Update für die Software liefern, so wie sie es für das Kernbetriebsystem tun oder aufhören damit zu werben, dass das iPhone jede Woche nach Updates sucht", sagte der IT-Sicherheitsexperte und Apple-Spezialist Charlie Miller der Zeitung. "Derzeit denken die iPhone-Besitzer, dass ihre Geräte up-to-date seien, da keine weiteren Patchen angeboten werden. Aber in Wahrheit sind die Nutzer nur noch so sicher, wie sie es im Februar waren."
Zahlreiche Updates verschlafen
Nach Angaben der "Washington Post" würden eine "Menge Sicherheitslecks" im
Safari-Browser aber auch in anderen Komponenten des abgespeckten OS X den iPhone-Besitzer weiterhin einer Gefahr aussetzen. So hatte Miller selbst vor einiger Zeit eine Schwachstelle in Safari offengelegt: Apple reagierte Mitte April und veröffentlichte ein Update für das Rechnerbetriebsystem – das iPhone ging dabei leer aus. Wie Miller bestätigte, besteht die Sicherheitslücke im Handy-Browser auf diese Weise bis heute. So habe er jüngst ein Tool programmiert, das es erlaubt, Anruflisten und Kontakte zu stehlen, Textnachrichten zu lesen und zu verschicken und sogar Anrufe aufzubauen, sofern der iPhone-Nutzer auf einen präparierten Link klickt.
1.1.4 ist seit über vier Monaten die aktuelle Version. Bild: Washington Post
Solcherlei Sicherheitslücken sind vor allem in Anbetracht der bevorstehenden Markteinführung des iPhone-Nachfolgers eine kritische Angelegenheit: Mit den Vorwürfen konfrontiert, verweigert Apple jeden Kommentar. Auch ob bei der neuen Betriebssoftware 2.0, die mit dem UMTS-iPhone ausgeliefert werden soll, die bekannten Fehler behoben wurden, ist weiterhin unklar.