Mittwoch, 02.07.2008 09:15

SPIT und Hacker bedrohen Internet-Telefonie

aus dem Bereich VoIP
Das Festnetz hat die besten Zeiten hinter sich, die Zukunft sehen viele Telefonkunden in der Internettelefonie. Nach Angaben der Bundesnetzagentur führen mittlerweile rund 13 Millionen Bundesbürger Telefonate per Voice over IP (VoIP). Im vergangenen Jahr waren es erst zehn Millionen Nutzer. Die Internet-Telefonie ist zwar häufig günstiger als die Festnetz-Telefonie, bringt aber auch neue Gefahren mit sich.

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Werbeattacken per Telefon

Die Untersuchung "Zukunftsfaktoren 2020" von Steria Mummert Consulting, die zusammen mit der FutureManagementGroup und Lünendonk durchgeführt wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass das so genannte Spam over Internet Telephony (SPIT) im kommenden Jahrzehnt zu Spam aufschließen wird. Nach der Flut von lästigen Werbemails droht eine rasante Zunahme von Werbeanrufen. Sowohl private als auch geschäftliche Telefonkunden sind nach Angaben von Steria Mummert Consulting vor solchen Attacken derzeit nicht so geschützt wie etwa vor der schon länger bekannten Spam-Welle.

Phishing via VoIP: Vorgaukeln falscher Identitäten

Aufgrund der sinkenden Preise für die Internet-Telefonie wird sich nach Angaben der Studie auch SPIT ähnlich wie Spam weiter durchsetzen. Anbieter können über das Internet kostengünstig mittels spezieller Programme und Tools millionenfache, automatisierte Anrufe führen, um Kunden zu locken. Doch nicht nur Werbung droht. Auch Hacker könnten mit gefälschten Anruferdaten an Kontoinformationen gelangen, wenn etwa im Telefondisplay der Name und die Rufnummer der eigenen Bank auftaucht. Im Moment lassen sich gefälschte Anruferkennungen mit den heutigen Tools nur schwer herausfiltern.

Schutzmaßnahmen erst am Anfang

Die Drahtzieher für SPIT sitzen meist im Ausland, deutsche oder europäische Gesetze greifen da in der Regel nicht. Steria Mummert Consulting sieht die VoIP-Anbieter in der Pflicht, entsprechende technische Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Erste Ansätze für erfolgreiche Abwehrmaßnahmen sind etwa ähnlich wie bei Spam die Nutzung von zentral geführten Blacklists, die bereits auffällig gewordene Spitter ausschließt. Automatisierte Telefonate können auch eingedämmt werden, wenn der Anrufer noch vor der Gesprächsaufnahme zur Eingabe einer Ziffer aufgefordert wird. Da Werbeanrufe bereits vor Gesprächsbeginn abgeblockt werden müssen, kann eine Untersuchung der Gesprächsinhalte, wie es etwa bei Anti-Spam-Schutzsoftware gebräuchlich ist, nicht zum Einsatz kommen.

VoIP-Anbieter sipgate sieht kaum Gefahren

Als erster VoIP-Anbieter hat das Düsseldorfer Unternehmen sipgate Stellung zu der Studie bezogen. Die SPIT-Gefahr in Deutschland sei in Deutschland bis auf weiteres nur theoretischer Natur. Ein Unternehmenssprecher wies darauf hin, dass SPIT nicht mit Spam verglichen werden könne, da die Netze der VoIP-Anbieter geschlossene, abgeschottete Systeme darstellten. Jeder Nutzer im sipgate-System sei dem Provider bekannt. Dies senke die Wahrscheinlichkeit möglicher telefonischer Werbeattacken. VoIP-Anschlüsse, die lediglich zu Werbezwecken geschaltet werden, könnten leicht von den VoIP-Providern "eliminiert" werden. Zudem seien die VoIP-Telefonnummern in Deutschland nicht Bestandteil eines öffentlichen Telefonverzeichnisses.
Jörg Schamberg
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